Partner: Blühendes Band durch unser Land

Eine Initiative für eine bienenfreundliche, blütenreiche und gentechnikfreie Landschaftsgestaltung

In den letzten Jahren haben sich die Lebensbedingungen für Biene, Hummel & Co. gravierend verändert. Als Hauptgrund für das Bienensterben wird von der Industrie die Varroamilbe genannt. Damit will man über die Auswirkungen der Pflanzenschutzmittel und den Nahrungsmangel hinwegtäuschen. Eine Untersuchung des Bieneninstitutes Celle hat gezeigt, dass die Bienensterblichkeit bei Konfrontation mit einem Neonikotinoid in Kombination mit Pollenmangel signifikant steigt. Daraus resultiert die Forderung nach Verbesserung der Pollenmenge und der Pollenvielfalt. Durch Intensivierung der Landwirtschaft blüht weniger und weniger in Feld und Flur. Ab Ende Mai versiegt, nicht zuletzt durch das Verschwinden von extensiv genutzten Wiesen und Weiden vielerorts der Futterstrom.

Auch gibt es die früher sehr häufig vorkommenden Ackerkräuter in den Getreidefeldern so gut wie gar nicht mehr. Für die Blütenbesucher herrscht nun in vielen Landstrichen von Juni bis Oktober Futterknappheit bzw.-eintönigkeit. So sind inzwischen über die Hälfte der einheimischen Wildbienen auf der Roten Liste oder schon ausgestorben. Teils müssen die Honigbienenvölker von uns Imkerinnen und Imkern im Sommer gefüttert werden. Für andere blütenbesuchende Insekten kann der Nahrungsmangel dramatische Folgen haben.

Ohne Bestäubungsinsekten gäbe es aber einschneidende Veränderungen bei Obsternte, Gemüseanbau, einigen Kulturpflanzen in der Landwirtschaft, der Artenvielfalt bei Wildpflanzen, der Nahrungskette für Wildtiere, etc. Diese vielfältigen Probleme haben den Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker dazu motiviert, auf dem Apisticus-Tag 2012 in Münster seine Initiative „Blühendes Band durch unser Land“ ins Leben zu rufen.  

Neben aktuellen Forschungsergebnissen zu den Risiken von Pflanzenschutzmitteln (insbesondere Neonikotinoide und Glyphosat) und den Problemen der Agro-Gentechnik interessieren uns in unserem Fachbereich „Bienenweide, Natur- und Umweltschutz“ die vielfältigen Möglichkeiten, in zahlreichen verschiedenen Bereichen durch die Verwendung gebietseigener Pflanzen eine deutliche Verbesserung der Nahrungsgrundlage für alle Insekten und Wildtiere zu erreichen. Die Landwirtschaft als Gestalter einer artenreichen und blühenden Kulturlandschaft im Bereich von Ackerflächen und Dauergrünland wird ebenso betrachtet wie die Pflanzung von Feldgehölzen und Hecken in der freien Landschaft und Möglichkeiten der Verbesserung der Artenvielfalt im Obst- und Waldbau. Die Nutzung der urbanen Vielfalt in Städten und Gemeinden steht unter dem Motto „Öffentliches Bunt“ mit seinem Nachahmungseffekt für Privatgärten. Die Möglichkeiten der Gestaltung von Naturgärten reichen bis in kleinste Bereiche wie die Bepflanzung von Balkonen und Blumenkübeln.   

Durch Vorträge und Info-Stände möchten wir möglichst viele Interessensgruppen wie z.B. Landwirte, Jäger, Obst- und Waldbauern, Vertreter von Städten und Gemeinden, Kleingärtner, Garten- und Landschaftsbauer und Privatpersonen zur Mitarbeit bei unserer Blühinitiative anregen. Zahlreiche Beispielprojekte zeigen erste Erfolge und liefern praktische Erfahrungswerte (Versmolder Blüten-Mehr, Ravensberger Lichtlandschaften, Blütenreichtum in Welver, Initiative der Siegener Zeitung mit dem Imker Hartmut Denker, Blühinitiative des Salzuflener Imkervereins, Klimaschutzpreis für Dattelner Imkerin Irene Schäfer für ihre Blühfläche). Ein interessantes Beispiel kommt aus Düsseldorf, hier hat der Golfclub Hubbelrath auf seinem Golfplatz das artenreichste Stadtbiotop Düsseldorfs geschaffen. Das Projekt „Wildpflanzen als Energiepflanzen“ der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim unter der Leitung von Werner Kuhn sowie das Netzwerk Lebensraum Feldflur machen Hoffnung auf Blühflächen in der Landwirtschaft. Im Frühjahr 2018 ist dazu ein eigener Fachbereich entstanden. Im Jahr 2015 hat der erste Jahrgang von Bienenweide FachberaterInnen seine Ausbildung erfolgreich absolviert. Ein Ziel ist es BienenweideexpertInnen für die einzelnen Kreisimkervereine unseres Landesverbandes auszubilden. Die Bienenweide FachberaterInnen sollen durch ihr Fachwissen nicht nur Imkerinnen und Imker beraten, sondern auch die Kontakte zu allen Interessensgruppen vor Ort praxisnah pflegen. Es ist uns ein großes Anliegen, den Schritt von gut gemeinten „Psychotopen“ wie z.B. der Mössinger Mischung, die durchaus als „Türöffner“ dienen können, zu gebietseigenen, nachhaltigen Mischungen zu gehen und so die Artenvielfalt dauerhaft zu sichern. Dazu möchten wir die Forschungsergebnisse der Studie ProSaum der Uni Osnabrück zur Etablierung mehrjähriger artenreicher Krautsäume nutzen. Für die fachliche Beratung durch Reinhard Witt vom Naturgarten e.V., Holger Loritz vom Netzwerk Blühende Landschaft und Ernst Rieger von der Saatgutfirma Rieger-Hofmann sind wir besonders dankbar.

Kontakt:

Monika Ludwig

Obfrau für Bienenweide, Natur- und Umweltschutz

des Landesverbandes der Westfälischen und Lippischen Imker

monika.ludwig(at)lv-wli.de