Wildpflanzen-Balkonien
Dr. Reinhard Witt, D - Ottenhofen
Die Balkongärtnerei scheint eine Domäne von Geranie und Petunie zu sein. Doch gibt es, was die Bepflanzung betrifft, nur die exotische Variante? Anders gefragt: Welche heimischen Wildstauden können Naturbewusste Menschen einsetzen?
Das hätte ökologische Vorteile: Die Palette heimischer Balkonpflanzen dient jeder Menge Insekten als Futterplatz, Nistgelegenheit und Winterquartier. Der bekannte Wildbienenforscher und Buchautor Paul Westrich hat festgestellt, dass auf dem Balkon einige Dutzend Wildbienenarten zuhause sein können. Auch Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlinge wie Zitronenfalter oder Taubenschwänzchen sind keine Ausnahme. Der Wildpflanzen-Balkon kann somit Startbasis für Artenvielfalt sein. Die meisten herkömmlichen Balkonblumen sind für Insekten dagegen ziemlich nutzlos.
Noch etwas ist gewichtig: Wer sich für Wildpflanzen im Topf entscheidet, tut dies einmal, nicht jedes Frühjahr aufs Neue. Im Gegensatz zur herkömmlichen Balkonbepflanzung handelt es sich um eine Dauerbepflanzung mit mehrjährigen Arten, die auch winterfest sind. Sie bleiben die kalte Jahreszeit draußen stehen und trotzen Frost, Schnee und Eis. Von daher gesehen, eignet sich der Wildpflanzen-Balkon besonders für etwas bequeme oder gestresste Zeitgenossen, die es zwar schön haben wollen, aber auch noch anderes zu tun haben.
Die Ästhetik eines Wildpflanzen-Kastens erstreckt sich so auch übers ganze Jahr. Während die exotischen Vettern im Keller überwintern, bietet der Wildpflanzenkübel immer noch seine Reize. Reif an übrigen Samenständen, Schneekristalle wie Sahnehäubchen verschönern die Töpfe in kalten Tagen.
Nicht zu vergessen: Für die alljährliche Balkonblumenproduktion wendet die Gartenindustrie viel Energie und Gift auf. In hochgeheizten Gewächshäusern müssen junge Pflanzen schon im Winter der neuen Saison entgegen wachsen, um dann nach einigen Blütemonaten im Abfallkorb der Konsumgesellschaft zu landen.
Zum Kübel selbst: Je größer, je besser. Das größere Volumen hält bei längerer Trockenheit noch Feuchtigkeit und stellt automatisch mehr Nährstoffe und Wurzelplatz zur Verfügung. Käufliche Blumenerde eignet sich gar nicht, sie enthält hohe Torfanteile. Besser ist eine selbstgemachte Mischung, wobei jeder Gärtner sein eigenes Rezept hat. Sehr gut funktioniert eine Mischung aus ½ Sand und ½ Rindenhumus bzw. Grünkompost. Dauerhafte Pflanzungen brauchen frostharte Töpfe aus Ton, Plastik oder Metall.
Am Besten und schnellsten gelingt die Bestückung mit vorgezogenen Wildstauden aus garantiert heimischer Gärtnerei. Über den Naturgarten e.V. kommt man an entsprechende Adressen. Bei einjährigen Arten ist auch die Ansaat zu empfehlen. Die Pflege beschränkt sich auf gelegentliches Jäten. Bleiben die Gefäße im Winter draußen (alle mehrjährigen Bepflanzungen), muss eine gute Drainage gegeben sein. Sonst könnte gefrierendes, aufgestautes Wasser den Topf sprengen. Gefäße am Besten über den Winter auf Holzlatten erhöht aufsetzen.
Wie und wie lange man Töpfe und Schalen, Kästen und Kübel, Tröge und Bottiche bepflanzt, hängt von der persönlichen Vorliebe ab. Man darf jahreszeitliche Blüteschwerpunkte setzen oder eine Bepflanzung mit längerem Blütenintervall wählen. In jedem Fall wird einem so einiges blühen: Artenreich und vielfältig, lebendig und immer interessant.
Literatur
Witt, Reinhard (1998): Wildblumen für Töpfe und Schalen. Zum Preis von € 15,95 € nur noch über den Autor zu beziehen: www.reinhard-witt.de
Witt Reinhard (2001): Der Naturgarten. Lebendig – schön – pflegeleicht. BLV Verlag, München.
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