Hinweis

Wildlife Gardens in Britain. Naturgärten in Großbritannien (Englisch-Deutsch)

Marc Carlton, GB - London, Penge

Old and new approaches in the Wildlife Gardening movement. Alte und neue Wege der Naturgarten-Bewegung.

737061_0008_web2.jpg1. The British Passion for gardening
Gardening is a hugely popular activity in Britain. It is estimated that 20 million people work in their garden on a regular basis, and that private gardens cover an area of over 270,000 ha. About 25% of the land area of each of Britain's cities is made up of private back gardens. Collectively, they have come to be seen as a potentially very important wildlife habitat, and some ecologists regard gardens as a biotope in their own right.

1. Die britische Leidenschaft fürs Gärtnern
Gartenarbeit ist eine ungeheuer populäre Aktivität in Großbritannien. Es wird geschätzt, dass 20 Millionen Menschen regelmäßig in ihrem Garten arbeiten und Privatgärten eine Fläche von mehr als 270.000 ha einnehmen. Ca. 25 % aller städtischen Flächen in Großbritannien bestehen aus privaten Gärten. In ihrer Gesamtheit werden sie inzwischen als potenziell sehr wichtige Naturstandorte angesehen, einige Ökologen betrachten Gärten sogar als eigenständige Biotope.

 

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2. The British Equivalent of the 'Naturgarten'
The phrase 'Nature garden', which would be a literal translation of 'Naturgarten' into English, is not in general use. The closest equivalent is the 'Wildlife garden'. The main purpose of a British 'wildlife garden' as well as being attractive to look at , and educational, is to attract and support wildlife. Additionally I feel that the German concept of 'Naturgarten' overlaps a little with various other naturalistic styles of modern British garden (such as some examples of 'cottage gardens', 'woodland gardens' and 'gravel gardens'). Many wild plants native to Middle Europe are not found wild in Britain, which has a relatively small native flora compared to neighbouring parts of Europe, but they combine well with British native plants in naturalistic planting schemes, and some have been traditional British garden plants for several centuries.

2. Das britische Äquivalent zum 'Naturgarten'
Die Redewendung 'nature garden', die einer wörtlichen Übersetzung des Wortes 'Naturgarten' ins Englische entspräche, wird in Großbritannien nicht verwendet. Das treffendste Äquivalent ist die englische Bezeichnung 'wildlife garden'. Wichtigstes Ziel eines britischen Naturgartens ist sowohl seine Ästhetik ('schön anzusehen') als auch seine lehrreiche und ökologisch wertvolle, d.h. anziehende und stützende Funktion für die Tierwelt. Meiner Meinung nach überschneidet sich das deutsche Naturgarten - Konzept ein wenig mit unterschiedlichen naturalistischen Stilen moderner britischer Gärten (z.B. Bauerngärten, Gärten mit Waldgesellschaften, Trockenstandorten ('Kiesgärten')). Viele Wildpflanzen, die in Mitteleuropa heimisch sind, gibt es in Großbritannien nicht als Wildform. GB hat im Vergleich zu seinen Nachbarländern eine relativ kleine Wildpflanzenflora. In Großbritannien und Irland gibt es etwa 1.400 einheimische Pflanzenarten im Vergleich zu Deutschland mit 3.100 Arten und Frankreich mit 6.000 Arten. Doch europäische Wildpflanzen verbinden sich in natürlichen Pflanzengemeinschaften sehr gut mit britischen Wildpflanzen - einige sind bereits seit vielen Jahrhunderten eingebürgert und traditionelle britische Gartenpflanzen.

 

737061_0009_web2.jpg3. Historical antecedents of the modern British "wildlife garden"
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he idea of using wild plants in the garden in a style more or less resembling a natural habitat goes back a long way, at least to The Wild Garden by William Robinson (1870) and to Wood and Garden by Gertrude Jekyll (1899). Both these authors had a deep and lasting influence on British gardening. When they encouraged naturalism in the garden it was largely for aesthetic reasons, rather than nature conservation. They encouraged gardeners to use both native plants and alien plants which fitted the setting. To take one example, they suggested that central European woodland plants such as Pulmonaria officinalis and Lilium martagon, (which are not native to Britain) and woodland plants from places further afield such as North America or China, could be combined with British native plants in a woodland garden. What mattered was only that the plants were adapted to woodland conditions, and 'looked right' (i.e. aesthetically pleasing) together.

Another planting style which evolved at the same time was that of the 'cottage garden'. Originally a romanticised version of the traditional English farmworker's garden, this became a garden design idiom which has remained popular ever since.

During most of the 20th century horticulture in Britain remained fairly conservative and there was no British equivalent of the Heempark or natural park movement developed in the Netherlands in the 1930s and 1940s.

3. Historische Vorläufer des modernen, britischen Naturgartens
Die Idee, Wildpflanzen im Garten auf eine Art und Weise zu verwenden, die einem natürlichen Standort mehr oder weniger stark ähnelt, lässt sich einen langen Weg zurück verfolgen: mindestens auf 'The Wild Garden' von William Robinson (1870) und auf 'Wood and Garden' von Gertrude Jekyll (1899). Beide Autoren haben einen tiefen und dauerhaften Einfluss auf die britische Gartengestaltung. Als sie sich für Natur im Garten einsetzten, war es mehr aus ästhetischen als aus Naturschutz Gründen. Sie ermutigten Gärtner sowohl heimische als auch fremde, d.h. exotische Pflanzen (passend zur Pflanzung) zu verwenden. Um ein Beispiel zu nennen, bestand einer ihrer Vorschläge darin, dass zentraleuropäische Waldpflanzen wie Pulmonaria officinalis und Lilium martagon (die in GB nicht heimisch sind) mit Waldpflanzen aus weit entfernten Gebieten wie z.B. Nordamerika oder China zusammen mit britischen Wildpflanzen in einer Waldgesellschaft kombiniert werden können. Von Bedeutung war lediglich die Tatsache, dass die Pflanzen an die Lebensbedingungen im Wald angepasst sein mussten und zusammen einen optisch schönen Anblick ergaben.

Zur selben Zeit entwickelte sich ein anderer Gartenstil, der 'Bauerngarten'. Ursprünglich eine romantisierte Version der traditionellen Gärten englischer 'farmworker' (Landwirte, nicht selbstständig), wurde es für die Gartengestaltung ein feststehender Begriff und ist seitdem sehr populär.

Die meiste Zeit des 20. Jahrhunderts blieb der britische Gartenbau ziemlich konservativ und es gab keine englische Entsprechung zum holländischen 'Heempark' oder der holländischen Naturpark-Bewegung in den 30er und 40er Jahren.

 

737061_0043_web2.jpg4. The modern British 'wildlife gardening' movement
The modern British wildlife gardening movement arose in the 1980s, largely under the influence of two pioneers: John Chambers, who in 1980 set up the first mail order business in Britain solely devoted to the sale of British wild flower seeds, and Prof. Chris Baines, whose book 'How to make a Wildlife Garden' (1984) remains one of the standard works on the subject. Most wildlife gardens now open to the public were created by nature conservation organisations, and are usually planted with British native species, plus a few naturalised aliens such as Buddleja, Oenothera, and Centranthus which are known to be good nectar plants. Such wildlife gardens are well-used as a teaching resource for children, and as a means whereby people can experience natural interactions and learn about the web of life. They have a heavy emphasis on creating what is thought to be a good habitat for animal life. Many gardeners, though, find these wildlife gardens rather uninspiring when compared to their own gardens or to some of the thousands of other very diverse gardens which are open to the public. Nevertheless, most gardeners, when asked, would say that they like to encourage wildlife in their gardens, even though statistics show that the sale of chemical pesticides and unsustainable mass-produced summer bedding plants apparently continues unabated.

4. Die moderne britische Naturgarten-Bewegung
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ie moderne britische Naturgarten-Bewegung entstand 1980 größtenteils unter dem Einfluss zweier Pioniere: John Chambers, der 1980 das erste Versandhaus gründete, das sich ausschließlich dem Verkauf britischer Wildpflanzensamen widmete, und Prof. Chris Baines, dessen Buch 'How to make a Wildlife Garden' (1984) eines der Standartwerke zum Thema geblieben ist. Viele Naturgärten, die jetzt für die Öffentlichkeit zugänglich sind, wurden von Naturschutzorganisationen angelegt und normalerweise mit britischen, heimischen Arten und einigen eingebürgerten Exoten, die aber als gute Nektarpflanzen bekannt sind, bepflanzt (z.B. Buddleja, Oenothera and Centranthus). Diese Naturgärten werden gern als Bildungsmöglichkeit für Kinder genutzt. Gleichzeitig helfen sie jedoch den Menschen, natürliche Interaktionen kennen zulernen und etwas über das Lebens-Netz lernen zu können. Mit starkem Nachdruck wird etwas erschaffen, das sie für einen guten Lebensraum für Tiere halten. Viele Gärtner finden diese Naturgärten jedoch ziemlich inspirationslos im Vergleich zu ihren eigenen Gärten oder zu einigen der tausend anderen, sehr unterschiedlichen Gärten, die öffentlich zugänglich sind. Trotzdem würden viele Gärtner sagen - wenn man sie fragen würde - dass sie die Natur in ihren Gärten gern fördern und unterstützen - obwohl Statistiken zeigen, dass der Verkauf chemischer Pestizide und nicht nachhaltiger, massenhaft produzierter Beet- und Balkonpflanzen anscheinend unvermindert steigt.

 

 

737061_0010_web2.jpg5. Alternative models for the 'wildlife garden'
Of late there has been a growing opinion that many different styles of garden can, in effect, be wildlife gardens, and that the model of the typical 'wildlife garden' developed in the 1980s is not the only possibility. Results of research coming from
Sheffield University suggest that it is the way that the garden is managed and the total diversity of plants and habitats in a garden which are key features. Many wildlife gardeners no longer believe that a garden designed for wildlife has to consist completely, or mainly, of native plant species, and they feel that selected alien species (especially autumn, winter, and early spring flowers, and some berry bushes) can be used to significantly boost the garden`s value as a food source for insects and birds, and may indeed make gardens a richer habitat than the open countryside. There is, for example, recent evidence that in regions of intensive agriculture, private gardens are supporting populations of bumble bees and similar insects which otherwise could not exist locally because of habitat loss due to intensive agricultural practices and the use of agro-chemicals. The new, broader approach to deciding what plants are suitable for a wildlife garden is exemplified in the latest book on the subject to be published, 'Wildlife Gardening' by Charlie Ryrie (2003).This new thinking is moving away from the wildlife gardening model of the 1980s, but fits in well with Agenda 21 Local Biodiversity Action Plans, which look at the totality of private gardens as a target-area for concerted local action to maintain and increase biodiversity.

5. Alternative Naturgarten Modelle
Vor kurzem wurde die These entwickelt, dass sich viele verschiedene Gartenstile mit dem Naturgarten Konzept vereinbaren lassen und dass das Modell des typischen, 1980 entstandenen 'Naturgartens' nicht die einzige Möglichkeit ist. Forschungsergebnisse der Sheffield Universität deuten darauf hin, dass die Art und Weise der Bewirtschaftung eines Gartens und die Pflanzenvielfalt und Verschiedenartigkeit der Lebensräume innerhalb eines Gartens die wichtigsten Schlüsselfaktoren sind. Viele Naturgärtner glauben nicht länger daran, dass ein Naturgarten vollständig oder hauptsächlich aus heimischen Wildpflanzen bestehen muss. Sie denken, dass ausgewählte Exoten (besonders Herbstpflanzen, Winterpflanzen, Frühblüher und einige Beerensträucher) genutzt werden können, um den ökologischen Wert des Gartens als wichtige Nahrungsquelle für Insekten und Vögel zu erhöhen. Sie glauben, dass Gärten dadurch zu wertvolleren Lebensräumen werden als offene Landschaften. Es gibt z.B. neue Untersuchungen, dass Privatgärten in Regionen intensiver Landwirtschaft die Entwicklung von Hummelpopulationen und ähnlichen Insekten begünstigen: Diese könnten in den genannten Gebieten aufgrund ihres Lebensraumverlustes, welcher auf intensive landwirtschaftliche Praktiken und der Verwendung von Agro-Chemikalien zurückzuführen ist, nicht existieren.

Das zuletzt zu diesem Thema erschienene Buch 'Wildlife Gardening' von Charlie Ryrie (2003) veranschaulicht einen neuen, weit reichenderen Versuch hinsichtlich der Entscheidung, welche Pflanzen für einen Naturgarten geeignet sind. Diese neue Denkweise entfernt sich von dem Naturgartenmodell von 1980. Aber es passt gut zum Biodiversitäts-Aktionsplan der Lokalen Agenda 21, welcher durch konzertierte Aktionen die Gesamtheit der Privatgärten als Zielgebiet im Blick hat - um Biodiversität zu bewahren und zu erhöhen.

 

737061_0036_web2.jpg6. Natural habitat creation or restoration in parks and the wider landscape
Although there is no central membership or training organisation either for private wildlife gardeners or for specialists in large-scale habitat creation, there are plenty of experienced practitioners. Several universities have been involved in research into larger-scale habitat creation, for example beside new road, railway and house building schemes, or where a degraded landscape is being restored to its previous species-rich state. There are now a number of specialist firms that supply wildflower seeds or plants. As a result of some mistakes in the early days, much attention is now paid to the question of local provenance. Current techniques for the creation of wildflower meadows on a large scale include deep-ploughing to turn the topsoil under and bring less-fertile subsoil to the surface, and hay-strewing (spreading seed-bearing hay cut from local high-quality meadows).

6. Schaffung oder Wiederherstellung natürlicher Standorte in Parks und öffentlichem Grün
Obwohl es weder für private Naturgärtner noch für Spezialisten (Gartenplaner, -gest
alter und Gartenarchitekten) eine zentrale Organisation oder Bildungseinrichtung gibt, haben wir in GB zahlreiche erfahrene Praktiker. Mehrere Universitäten forschen in großem Umfang auf dem Gebiet der Planung, Gestaltung und Renaturierung von Lebensräumen: es gibt z.B. Begrünungs-Projekte neben neuen Straßen, Eisenbahnen und beim Wohnungsbau oder Projekte, bei denen zerstörte Landschaften renaturiert und in ihren ursprünglichen, artenreichen Zustand zurück versetzt werden. Es gibt jetzt einige Spezialfirmen, die Wildpflanzen oder Wildpflanzensaatgut anbieten und liefern. Als Ergebnis mehrerer Fehler aus der Anfangszeit wird der lokalen Herkunft inzwischen mehr Beachtung beigemessen. Gegenwärtige Verfahren, die sich in großem Umfang mit der Anlage von Wildblumenwiesen befassen, beziehen tiefes Pflügen mit ein: Dadurch werden die Bodenschichten gewendet, d.h. der fruchtbare Mutterboden wird nach unten und der weniger fruchtbare Unterboden nach oben gebracht. Anschließend wird dort durch sogenanntes 'hay-strewing', d.h. von einer lokalen, qualitativ hochwertigen Wiese geerntetes und samenreiches Heu ausgesät.


 

7. Forest Gardens
British permaculture enthusiasts have attempted to develop a different model of 'natural garden', namely a 'forest garden' in which fruit trees, climbing fruit and vegetable crops and fruit bushes are planted closely together in a style mimicking the vegetational layers of a natural woodland. This model has been transferred from the hot tropics (where it is very successful) but has tended to be more difficult to implement at our latitude, because of problems of shading and overcrowding, susceptibility to fungus diseases, and because it is hard to protect the fruit from birds and grey squirrels. As more experience is gained, workable versions of this model suitable for our latitude and climate are being developed, and there are now about 50 such forest gardens in Britain.

7. Obst- und Waldgärten
Britische Permakultur - Enthusiasten haben versucht, ein anderes Modell des 'Naturgartens' zu entwickeln. Im 'forest garden' (Streuobstwiese im weitesten Sinn) werden Obstbäume, essbare Kletterpflanzen und Unmengen von Gemüse und Beerensträucher dicht nebeneinander gepflanzt ' ähnlich den Vegetationszonen natürlicher Waldlandschaften. Dieses Modell wurde von den Tropen (wo es sehr erfolgreich ist) übernommen. Auf unsere Landschaft lässt es sich jedoch nur sehr schwer übertragen, da es Probleme mit der Beschattung (Lichtmangel) und durch dichten Pflanzenwuchs gibt: die Pflanzen werden anfällig für Pilzbefall u.a. Krankheitserreger. Weiterhin ist es schwer, die Früchte vor Vögeln und grauen Eichhörnchen (Plage aus Nordamerika) zu schützen. Da inzwischen mehrere Erfahrungen gewonnen wurden, sind für unsere Breiten und Klimate jetzt bessere und funktionierende Versionen dieses Modells entwickelt worden. Zurzeit gibt es ca. 50 solcher 'forest gardens' in GB.


References - Literatur
Baines, Chris, How to Make a
Wildlife Garden. Elm Tree Books 1984, new edition 2001. ISBN 0 241-11448 � 9

Ryrie, Charlie, Wildlife Gardening. Cassell Illustrated, 2003. ISBN 1 84403 035 0

For an introduction to the University of Sheffield research see www.shef.ac.uk/uni/projects/bugs/

Whitefield, Patrick, 2000. How to make a Forest Garden. ISBN 1-85623-008-2. Permanent Publications, Hyden House Limited, The Sustainability Centre, East Meon, GB-Hants GU32 1HR. www.permaculture.co.uk. Das Buch ist auch in Deutschland erhältlich:

Der Grosse Waldgarten, Handbuch. 1999 im OLV (Organischen Landbau Verlag).

The Forest Garden Network is able to arrange visits to forest gardens in the UK and occasionally runs courses. For details contact: Martin Crawford, The Agroforrestry Research Trust, 46 Hunters Moon, Dartington, GB-Devon, TQ9 6JT. www.agroforestry.co.uk

 

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