Lebensbereich Wegrand
Dipl.-Ing. Landespflege Ulrich Schwab, D - München
Wenn ein 40 bis 80 cm breiter Streifen neben einem regelmäßig benutztem, befestigten Weg nicht mit humosem Oberboden abgedeckt ist und ungemäht bleibt, stellt sich eine interessante Lebensgemeinschaft ein, die in Abhängigkeit von
Benutzungsfrequenz und Witterung im Lauf der Jahre ein recht unterschiedliches Bild zeigen kann. Folgende Standorteigenschaften sind typisch für schmale, ungestaltete Wegrandzonen: Kleinrelief mit verdichtetem Boden, erhöhte Tagestemperaturen auf der Bodenoberfläche vor allem neben gepflasterten bzw. asphaltierten Flächen, geringe Durchlüftung und Wasserdurchlässigkeit; auf lehmigem bis tonigem Untergrund Wechsel zwischen Pfützenbildung und starker Austrocknung mit Rissebildung, auf grobkörnigen, sandigen Böden vorherrschende Trockenheit.

Wegen der häufigen mechanischen Belastungen bleibt die Vegetationsdecke lückenhaft und insgesamt ziemlich niedrig. Je öfter die Wegrandzonen betreten bzw. befahren werden, desto mehr herrschen ein- und zweijährige Pflanzenarten der Trittrasen mit ziemlich unauffälligen Blüten vor: Breit-Wegerich (Plantago major), Einjähriges Rispengras (Poa annua), Vogel-Knöterich (Polygonum aviculare), Strahllose Kamille (Matricaria discoidea). An etwas weniger beanspruchten Stellen gedeihen auf verdichteten Rohböden zweijährige bis ausdauernde Arten der Möhren-Steinklee-Fluren mit Wuchshöhen bis 1 m, die im Hochsommer auffällig blühen: Wegwarte (Cichorium intybus), Pastinak (Pastinaca sativa), Wilde Möhre (Daucus carota), alle drei Arten mit rübenartig verdickten, eßbaren Wurzeln, sowie Weißer und Echter Steinklee (Melilotus albus et officinalis). Folgende trittverträgliche, niederwüchsige Pflanzenarten eignen sich ebenfalls für Wegrandzonen:
Auf magerem kiesig-sandigem Substrat:
| Deutscher Name | Botanischer Name | Blütezeit, Blütenfarbe |
| Frühlings-Fingerkraut | Potentilla neumanniana agg. | IV-V; gelb |
| Silber-Fingerkraut | Potentilla argentea | V-VII; gelb |
| Milder Mauerpfeffer | Sedum sexangulare | VI-VII; gelb |
| Weißer Mauerpfeffer | Sedum album | VI-VII; weiß |
| Feld-Thymian | Thymus pulegioides | VI-IX; violett |
| Hopfenklee | Medicago lupulina | V-VIII; gelb |
| Sandkraut | Arenaria serpyllifolia | V; weiß |
| Kleines Leinkraut | Chaenorrhinum minus | V-VII; weiß |
| Kahles Bruchkraut | Herniaria glabra | VI-VIII; hellgrün |
| Kleines Habichtskraut | Hieracium pilosella | V-VIII; hellgelb |
| Natternkopf | Echium vulgare | VI-VII; blau |
| Königskerzen | Verbascum spec. | VII-VIII; gelb |
| Platthalm-Rispengras | Poa compressa | VI-VIII; Gras |
| Schaf-Schwingel | Festuca ovina agg. | V-VI; Gras |
Auf feinkörnigen, lehmigen, eher nährstoffreichen Böden:
| Deutscher Name | Botanischer Name | Blütezeit, Blütenfarbe | |
| Gänseblümchen | Bellis perennis | I-XII; weiß | |
| Gewöhnlicher Löwenzahn | Taraxacum officinale | IV-V (-IX); gelb | |
| Herbst-Löwenzahn | Leontodon autumnale | VII-IX; gelb | |
| Gänse-Fingerkraut | Potentilla anserina | V-VII; gelb | |
| Berg-Weidenröschen | Epilobium montanum | VI-VIII; rosa | |
| Weißklee | Trifolium repens | VI-VIII; weiß | |
| Wiesen-Schafgarbe | Achillea millefolium | VI-IX; weiß | |
| Weg-Malve | Malva neglecta | VI-X; rosa | |
| Gewöhnliche Brunelle | Prunella vulgaris | VI-IX; blauviolett | |
Wärmebegünstigte, lückenhaft bewachsene Wegränder mit Tonanteil können Neststandorte für verschiedene Hautflüglerarten, insbesondere Erd- Grab- und Wegwespen, Weg-Ameisen und Wildbienen sein. Beispielsweise graben die zwar Kolonien bildenden, aber dennoch solitär lebenden Weiden-Sandbiene Andrena vaga sowie Halictus subauratus ihre Brutröhren in sandige, verdichtete Rohböden. Als Nahrungspflanze benötigt erstere Art männliche Weiden, letztere besucht an Wegrändern wachsende Rohbodenpflanzen.
Wenn die Wege regelmäßig begangen bzw. befahren werden (und dabei manchmal auf die Randstreifen ausgewichen wird), ist eine besondere Pflege der wegnahen Streifen meistens nicht erforderlich, ggf. kann neben einer gezielten Trittbelastung im Spätsommer bis Herbst eine Mahd im zeitigen Frühjahr alle paar Jahre einen zu hohen Aufwuchs zurückdrängen.
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