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Naturgärten - Warum?

Gabriele Pichler, A - Salzburg

Die Zerstörung der heimischen Naturlandschaft hat in den letzten Jahrzehnten bedenkliche Ausmaße angenommen. Großflächige Baumaßnahmen, Flurbereinigungen in der Landwirtschaft und intensive Forstwirtschaft haben das Artensterben bei Pflanze und Tier vorangetrieben wie noch nie. Erst langsam beginnt eine Rückbesinnung auf die unwiederbringlichen Schätze unserer Naturlandschaft. Naturschützer und Naturschutzverbände bemühen sich um die der wenigen noch verbliebenen Reste einer unberührten Natur. Der Kampf gegen einzelne Geschäftsinteressen ist mühsam und oft wenig von Erfolg gekrönt.

Ein großer Prozentsatz des Anteils an unbebauter Fläche ist in privater Hand, einzelnen Berechnungen nach mehr als alle Naturschutzgebiete zusammen.

Es handelt sich um unsere Gärten! Untersuchungen haben gezeigt, dass auch hier bei einer naturnahen Bepflanzung und Bewirtschaftung ein erheblicher Beitrag zur Erhaltung der Arten geleistet werden könnte. So sind zum Beispiel mehr als 1000 heimische Pflanzenarten geeignet, in Gärten gepflanzt zu werden. Viele in der Natur bedrohte Arten befinden sich darunter.

Der größte Teil unserer Tierwelt ist auf heimische Wildpflanzen als Nahrungsspender angewiesen In Naturgärten wurden demnach auch bis zu 10.000 verschiedene Tierarten gefunden, darunter viele auf der Roten Liste stehende Arten.

Also weg mit ausländischen Koniferen und gezüchteten Rosen mit gefüllten Blüten! Wildbienen, Hummeln und Schmetterlingsraupen finden keine Nahrung daran. Auch makelloser englischer Teppichrasen ist nur für wenige Tierarten interessant und in den Ritzen von mit Beton versiegelten Gartenwegen findet kein Wildblumensamen und kein Käfer Unterschlupf. Die Alternative heißt einheimische Wildkräuter dulden, gezüchtete Gartenblumen und Ziersträucher bewusst durch einheimische Schönheiten ersetzen. Wildblumen lassen sich in Beete pflanzen, blühen auf Blumenwiesen, siedeln sich in Ritzen von unversiegelten Wegen und unverfugten Steinmauern an, begrünen als Kletterpflanzen hässliche Betonwände und lassen sich sogar in Balkonkisten, Töpfe und Schalen setzen. Überall, wo heimische Blumen geduldet oder bewusst angepflanzt werden, stellen sich auch Tiere ein: Käfer, Bienen, Hummeln, Schmetterlinge. Diese sind wieder Nahrung für weitere heimische Tierarten, die wir lieben: Frösche, Vögel, Fledermäuse und Igel – der Garten lebt.

Naturnahe Gestaltung unserer Gärten kann sicher die Zerstörung der offenen Naturlandschaft nicht kompensieren, denn viele Arten finden sich eben nur dort. Es kann damit jedoch ein wesentlicher Beitrag zur Erhaltung der Arten geleistet werden. Würden mehr Menschen als bisher ihre unmittelbaren Lebensräume naturnahe gestalten und nebenbei noch Rücksicht auf die unberührte Natur in ihrer Umgebung nehmen, wäre es um unsere Tier- und Pflanzenwelt viel besser bestellt und Artentod wäre sicher bald kein Thema mehr.

Ein Garten soll Lebensraum sowohl für Menschen, als auch für Tiere sein. Bedürfnisse des Menschen sind Ordnung, Ästhetik und Erholungsraum. Bedürfnisse der Tierwelt sind Schlupfwinkel und Nischen sowie Nahrungsquellen. Beides lässt sich im Naturgarten wunderbar miteinander vereinen, denn reichlich gegliederte und mit für heimische Tiere brauchbaren Pflanzen ausgestattete Gärten empfindet auch der Mensch als schön und erholsamer als steril verbaute und betonierte Flächen. Hier einige Regeln für die Gestaltung von naturnahen Gärten:

  1. Man verwendet im Garten viele verschiedene, einheimische Wildpflanzen. Gartenblumen, von denen Insekten profitieren können, müssen möglichst wenig züchterisch bearbeitet sein und Nektar und Pollen liefern können. Viele einheimische Insekten – Wildbienen, Hummeln, Käfer und Raupen von Schmetterlingen können jedoch mit ausländischen Zierpflanzen als Nahrungsquellen überhaupt nichts anfangen, das Tierleben auf amerikanischen Prärieblumen (Astern, Rudbeckien) beschränkt sich nur auf wenige häufige Arten.

  2. Man verzichtet auf leicht lösliche, mineralische Düngemittel.Mineralische Handelsdünger ernähren die Pflanze, jedoch nicht den Boden und die darin wohnenden Lebewesen. Kompost oder Hornspäne werden erst von Bodenlebewesen zersetzt, bevor sie der Pflanze zur Verfügung stehen. Der Boden lebt, Pflanzen- und Tierwelt im Garten bleibt gesünder und vielfältiger.

  3. Man verzichtet auf synthetische Pflanzenschutzmittel:Nicht nur Schädlinge sterben an den Giften, sondern auch deren Freßfeinde, die wir als Nützlinge bezeichnen: Schlupfwespen, Marienkäfer, Spinnen, Vögel und Fledermäuse. Biologische Vorbeugungsmittel reduzieren Schäd-linge auf ein erträgliches Maß. Alle Schadinsekten auszurotten ist nicht im Sinne der Natur: mit ihnen sterben auch die darauf angewiesenen Nützlinge. Gäbe es keine Blattläuse, würden auch die Marienkäfer aussterben.

  4. 736271_0046_web2.jpgMan gestaltet den Garten vielfältig, Nischen und Strukturen bilden verschiedene Lebensräume. Den meisten Tierarten genügt nicht nur ein einziges Biotop zum Überleben. Kröten benötigen zum Beispiel Tümpel zur Fortpflanzung, Steinmauern als Unterschlupf und Hecken zur Nahrungssuche. Schmetterlinge brauchen Wasserflächen zum Trinken, Wiesen und Blumenrabatten zur Nektarsuche, spezielle Raupenfutterpflanzen zur Fortpflanzung und rissige Rinden alter Obstbäume, Reisighaufen oder Hecken zum Überwintern. Je größer das Angebot an Strukturen und Unterschlüpfen, desto größer die Artenvielfalt.

  5. Man arbeitet beim Anlegen und Pflegen möglichst schonend:In das bestehende Naturgefüge von Wachsen und Vergehen wird so wenig wie möglich eingegriffen, aus Rücksicht auf die Tier- und Pflanzenwelt werden auch natürliche Veränderungen zugelassen und Zustände toleriert.
    • Aus Energiespargründen werden möglichst wenig Maschinen verwendet.
    • Es wird möglichst kein Material aus dem Garten entfernt. Was auf dem Grundstück gewachsen ist, soll dort auch verrotten und dem Boden wieder zugeführt werden.
    • Anstelle von versiegelten Wegen werden zum Untergrund durchlässige Wege und Plätze angelegt: in den Fugen und Ritzen siedeln sich Pionierpflanzen und wirbellose Tiere an.
    • Baustoffe bestehen aus Naturmaterialen (Holz, Steine, Kies) oder Recyclingmaterial. Stoffe, die zum Sondermüll gehören, wie PVC-Folien oder imprägniertes Holz, sind tabu.
    •Auf Torf wird grundsätzlich verzichtet. Unsere Moorlandschaften sind durch sinnlosen Abbau desselben stark bedroht. Kompost und Rindenmulch sind ein vollwertiger Ersatz dafür.

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