Lebensbereich Schatten
Dipl.-Ing. Landespflege Ulrich Schwab, D - München
In nahezu allen Hausgärten nehmen Flächen, die auch im Sommer dauernd oder während der meisten Zeit des Tages von Mauern oder großen Bäumen mit dichter Krone stark beschattet sind, einen nicht unerheblichen Teil des Grundstücks ein. Auch wenn im Schatten die Artenvielfalt deutlich geringer als an sonnigen Standorten ist, lassen sich hier naturnahe Pflanzengemeinschaften mit im Jahreslauf wechselndem Erscheinungsbild anlegen.

Schatten bedeutet keineswegs, dass der Boden ständig feucht bis vernässt ist, im Traufbereich großer Gehölze kann es im Hochsommer bis Spätsommer sogar tiefgründig ausgesprochen trocken werden; außerdem ist der Boden dort auch oberflächennah meist intensiv durchwurzelt.
Folgende, vorwiegend Frühjahrsblühende Pflanzenarten ertragen ziemlich starke Wurzelkonkurrenz und ein Austrocknen während des Sommers:
| Deutscher Name | Botanischer Name | Wuchsverhalten | Blütezeit, -farbe |
| Busch-Windröschen | Anemone nemorosa | Gruppen, Ausläufer | IV; weiß |
| Leberblümchen | Hepatica nobilis | Gruppen | III-IV; blau |
| Hohler Lerchensporn | Corydalis cava | Herden, wuchernd | III-V; rot/ weiß |
| Gewöhnlicher Sauerklee | Oxalis acetosella | Gruppen | IV-V; weiß |
| Ausdauerndes Bingelkraut | Mercurialis perennis | Gruppen, Ausläufer | IV-V; gelbgrün |
| Maiglöckchen | Convallaria majalis | Ausläufer, wuchernd | V; weiß |
| Waldmeister | Galium odoratum | Ausläufer, wuchernd | V; weiß |
| Goldnessel | Lamium galeobdolon | Ausläufer, wuchernd | V; gelb |
| Wald-Veilchen | Viola reichenbachiana | einzeln | III-V; violett-blau |
| Hainsimsen | Luzula div. spec. | Horste, wintergrün | III-V; braun-weiß |
| Schattenblümchen | Maianthemum bifolium | Gruppen | V; weiß |
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Die drei letztgenannten Arten gedeihen vorzugsweise auf leicht bis mäßig sauren Böden.
Weniger tolerant gegenüber starker Bodenaustrocknung im Sommer und von Gehölzen ausgehende starke Durchwurzelung sind:
| Deutscher Name | Botanischer Name | Wuchsverhalten | Blütezeit, -farbe |
| Märzenbecher | Leucojum vernum | Gruppen | III; weiß |
| Hohe Schlüsselblume | Primula elatior | Gruppen | III-V; gelb |
| Geflecktes Lungenkraut | Pulmonaria officinalis | einzeln; z.T. wi-grün | III-V; blau |
| Haselwurz | Asarum europaeum | Bodenkriecher, wgrün | III-IV; braun |
| Gelbes Windröschen | Anemone ranunculoides | Gruppen | IV-V; gelb |
| Salomonsiegel | Polygonatum odoratum | Ausläufer | V; weiß |
| Nickendes Perlgras | Melica nutans | Horste | V: Gras |
| Flattergras | Milium effusum | Horste | V-VI; Gras |
| Wald-Segge | Carex sylvatica | Gruppen, wintergrün | V; Sauergras |
| Wurmfarn | Dryopteris filix-mas | einzelne Horste | sommergrün |
| Nesselblättr. Glockenblume | Campanula trachelium | einzeln- Gruppen | VII-VIII; blau |
Eine ganzjährig ziemlich hohe Luftfeuchtigkeit (z.B. windgeschützte Nordseiten von Gebäuden) benötigen folgende Pflanzenarten:
| Deutscher Name | Botanischer Name | Wuchsverhalten | Blütezeit, -farbe |
| Große Sterndolde | Astrantia major | Gruppen | VI-VIII; weiß |
| Wald-Ziest | Stachys sylvatica | Herden, Ausläufer | VI-VIII; rot |
| Wald-Geißbart | Aruncus dioicus | einzeln | VI-VIII; weiß |
| Klebriger Salbei | Salvia glutinosa | kleine Gruppen | VII-VIII; gelb |
| Wald-Witwenblume | Knautia dipsacifolia | Gruppen | VII-IX; violett |
| Blauer Eisenhut | Aconitum napellus | kleine Gruppen | VII-IX; tiefblau |
| Frauenfarn | Athyrium filix-femina | einzeln | Farn |
| Hirschzunge | Phyllitis scolopendrium | einzeln | Farn, wintergrün |
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Auf ausreichend feuchten, sehr schattigen Moderhumus-Böden kann die Pflanzung des Rundblättrigen Wintergrüns (Pyrola rotundifolia) versucht werden, einer im Juni weiß blühenden, Ausläufer bildenden Art, die nur in Symbiose mit einem Wurzelpilz (Mykorrhiza) gedeiht.
Bei der Bepflanzung schattiger Flächen ist stets an die Verwendung von Frühjahrs Geophyten, von wintergrünen Pflanzenarten und Pflanzenarten mit hellen (gelben oder weißen) Blüten wegen ihrer Leuchtwirkung zu denken. Die meisten der genannten Pflanzenarten benötigen mehrere Jahre Entwicklungsdauer, bis sich ein ansehnlicher Bestand bildet.
Gut strukturierte, auch tagsüber einigermaßen feuchte Schattenplätze können Aufenthaltsort vorwiegend nachtaktiver Tiere sein, z.B. von Erdkröten, verschiedenen Schneckenarten oder auch von Blindschleichen.
Der Pflegebedarf schattiger Flächen ist - abgesehen von eventuell notwendigen Gehölzschnitten in den „oberen Etagen“, ausgesprochen gering: Es genügt im allgemeinen die Eindämmung stark wuchernder Kräuter, welche weniger konkurrenzkräftige Einzelpflanzen zu überwachsen drohen, sowie die Entfernung von natürlicherweise angesamtem, unerwünschtem Junggehölz Aufwuchs.

