Naturgartenpflege
Peter Richard, CH - Wängi.
Erfahrungen aus 20 Jahren Arbeit
Gartenpflege – der Kampf gegen die Natur
Der Garten ist Ort der Erholung und Entspannung. Ein Refugium, wo man seine Seele baumeln lassen kann. Wenn man sich in der Schweiz oder Deutschland Gärten anschaut, hat man allerdings bei den wenigsten das Gefühl, das sich die Menschen darin entspannen. Anhaltende harte Arbeit und der Kampf gegen Ungeziefer und Unkraut stehen im Vordergrund. Bäume und Sträucher werden dauernd gestutzt, damit sich keine wilde Form entwickeln kann. Beim Wort Gartenpflege kommt vielen das Kindheitstrauma von stundenlangem Strafjäten in den Sinn. Dazu gibt es unzählige Bücher, die so genannte Tricks und Tipps verraten, wie die mühsame Gartenarbeit erträglicher und der Kampf gegen die Natur taktisch besser geführt werden könne.
Der verzweifelte Schrei nach einem pflegeleichten Garten hallt durch Dörfer und Städte.
Sind Naturgärten pflegeleicht?
Zu Beginn der Naturgartenbewegung wurden Naturgärten als pflegeleichte Gärten angepriesen. Sind Naturgärten wirklich pflegeleicht, oder war das nur ein Märchen? Die Beantwortung dieser Frage hängt von verschiedenen Kriterien ab. Die Ansprüche und die Einstellung der Gartenbesitzer und damit die Gestaltung des Gartens gehören zu den wichtigsten Faktoren. Leider sind die Ansprüche oft einiges höher als die Bereitschaft die notwendige Zeit zu investieren.
Blumengärten mit alten Duftrosen sind zurzeit im Trend. Die wenigsten Gartenbesitzer sind sich bewusst, wie viel Zeit investiert werden muss, um einen solchen Gartenteil biologisch zu pflegen, oder welche finanziellen Mittel notwendig sind, um den Garten von Fachleuten pflegen zu lassen.
Eine der wichtigsten Aufgaben des Gartengestalters ist zu Beginn herauszufinden, welche Vorstellung die zukünftigen Gartenbesitzer haben und wie viel Zeit Sie in die Gartenpflege investieren möchten, oder welche finanziellen Mittel sie aufwenden möchten, um den Garten pflegen zu lassen. Gleichzeitig muss der Fachmann seine Kunden ehrlich über die anfallenden Gartenarbeiten aufklären und wenn möglich Hilfen anbieten können.
Aikido im Garten – der respektvolle Umgang mit der Natur
Aikido ist eine Kampfsportart. Die Philosophie des Aikido ist es, die Energie des Partners zu erfassen, sie zu transformieren und für die eigenen Ziele zu nutzen. In dieser Art stelle ich mir die Pflege des Naturgartens oder auch den Umgang mit unseren Lebensgrundlagen überhaupt vor.
Leider hören wir mittlerweile gar nicht mehr hin, wenn die Natur zu uns spricht. Wir denken, Überschwemmungen, Stürme oder andere Naturkatastrophen sind normal und waren schon immer da. Stimmt das wirklich? Noch fataler scheint mir der Gedanke, dass wir alle diese Probleme mit technokratischen Lösungen beheben können.
Sind es nicht diese immer aufwendigeren technischen „Lösungen“, die uns immer weiter ins Verderben stürzen?
Wie handeln wir in der Regel, wenn wir auf unserem Zwetschgenbaum Blattläuse entdecken? Wir überlegen uns, mit welchem Mittel wir die Biester von unserem Fruchtbaum kriegen. Krankheiten, Schädlinge und Probleme werden weggespritzt, ausgemerzt, bekämpft und ausgerottet. Sind damit die Probleme wirklich behoben?
Der erste Schritt zur naturgerechten Pflege findet im Kopf statt. Wir brauchen eine andere Einstellung zur Natur und ihrem Zeitplan. Erst durch den Einbezug der natürlichen Dynamik und dem Respekt vor den Vorgängen in der Natur können wir überhaupt offen genug werden, um mit der Natur in unserem Garten zu arbeiten.
Pflege in die Gestaltung einbeziehen
Der Pflegeaufwand für einen Garten wird weitgehend bei der Gestaltung bestimmt. Artenreiche Wildstaudengärten brauchen mehr Zeit und Zuwendung als großzügige mit Flächen, die zweimal im Jahr gemäht werden. Pflegeleichte Gärten orientieren sich weitgehend an vorhandenen Verhältnissen. Pflanzungen und Saaten richten sich nach der Bodenbeschaffenheit, Licht- und Feuchtigkeitsverhältnissen, die der Ort vorgibt. Eine genaue Untersuchung des Ortes ist unabdingbar. Je näher wir uns mit der Gestaltung und Auswahl der Lebensräume der natürlichen Umgebung anpassen, desto pflegeleichter wird ein Garten. Grosflächige Saaten oder Pflanzungen mit weniger Artenreichtum geben weniger Arbeit. Wichtig ist auch die Einstellung der Gartenbesitzer. Wer sich einen pflegeextensiven Garten wünscht, muss mehr Naturdynamik zulassen können und weniger fixe Bilder im Kopf haben. Artenreiche Wildstaudenflächen insbesondere, wenn sie nährstoffreich sind, müssen intensiv gepflegt werden, wenn man über Jahre die Artenvielfalt erhalten will. Viel Zuwendung brauchen Zier- und Bauerngärten mit Strauchrosen, Rittersporn und Staudenphlox. Neben regelmassigem jäten, muss zurück geschnitten, gestützt, gedüngt und geteilt werden. Die Auswahl von robusten und erprobten Sorten ist bei Zier- und Nutzpflanzen selbstverständlich, wenn man später auf den Einsatz von Pestiziden verzichten will. Die Pflege muss bereits beim ersten Gespräch nachgefragt werden. Wie viel Zeit oder Geld wollen die zukünftigen „Gärtner“ in ihren Garten investieren. Diese Aussage entscheidet neben Wünschen und Rahmenbedingungen über die Gestaltung eines Naturgartens.
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