Der pflegeleichte Naturgarten
Christoph Schallert, D - Mainz
Ein Gartenkonzept mit viel Spaß und wenig Aufwand
Dies ist kein Beitrag über Sinn und Vorteile des Naturgartens allgemein, sondern stellt das Naturgarten-Konzept des Mainzer Naturgarten-Spezialisten Ahornblatt GmbH vor. Angesichts des beschränkten Raumes kann dabei vieles aber nur angerissen oder stichwortartig erwähnt werden. Zunächst im Überblick:
Ahornblatt-Naturgärten
- leben vor allem von ihren Pflanzen, schöpfen aus der ganzen Vielfalt der heimischen Flora und sind deshalb ein wichtiger Beitrag zu wirksamem Artenschutz.
- sprechen alle Sinne an
- achten Pflanzen als lebendige Mitgeschöpfe mit eigener Würde
- gehen von den natürlichen Gegebenheiten aus, beziehen natürliche Entwicklungenb ein und kommen deshalb mit nur wenigen Pflege-Eingriffen aus
- leben nicht vom schnellen "Effekt", sondern von nachhaltiger Eigen-Entwicklung
- und sind deshalb vielfältig, lebensfreundlich, individuell und pflegeleicht
Ahornblatt-Gärten leben vor allem von ihren Pflanzen, schöpfen aus der ganzen Vielfalt der heimischen Flora und sind deshalb ein wichtiger Beitrag zu wirksamem Artenschutz.
Die Pflanzen selbst spielen bei der Gestaltung unserer Gärten die Hauptrolle. Wir verzichten in der Regel auf größere Steinarbeiten (Steine gibt es schon viel zu viele um uns herum) und Erdbewegungen und brauchen für unsere Gartengestaltung deshalb weder Bagger noch sonstiges schweres Gerät.
Im Gegensatz zu einem weit verbreiteten Vorurteil (heimische Pflanzen seien 1. immer zu groß und 2. nur grün) gibt es für jeden gärtnerischen Zweck die richtige heimische Pflanze. Die heimische Flora bietet – allen Unkenrufen zum Trotz – eine riesige Vielfalt. Nur zwei Beispiele bei den Rosengewächsen: Es gibt allein zwei Dutzend heimischer Wildrosenarten und eine mindestens dreistellige Zahl von Sorten. Und allein die Brombeere bietet über 240 verschiedene Arten mit zum Teil völlig unterschiedlichen und gärtnerisch spannenden Eigenschaften.
Um diese Pflanzenvielfalt für unsere Gärten nutzbar zu machen, sind regelmäßige botanische Exkursionen ein wesentlicher Teil unserer Forschungsarbeit, die geleitet wird von Geschäftsführer Dr. Norbert Kleinz.
Ein weiterer Gesichtspunkt: Angesichts großräumig zerstörter natürlicher Lebensräume kommt den Gärten eine immer größere Bedeutung für die Erhaltung seltener und bedrohter Pflanzen- und Tierarten zu. Es gibt eine ganze Reihe von Beispielen dafür, dass bedrohte Arten und Sorten nur in Gärten überlebt haben und nur deshalb überhaupt noch für unsere Nachkommen erhalten sind!
Ahornblatt-Gärten sprechen alle Sinne an
Naturgärten sind ein "Fest der Sinne", in denen nicht nur das Auge, sondern auch Nase, Ohren, Hände und Mund auf ihre Kosten kommen.
Zum Beispiel die Düfte: Wiederum bieten hier allein die Rosen eine Fülle von Eindrücken. Schon beim Blütenduft unterscheiden sich die verschiedenen Rosenklassen. Die Bibernellrose etwa duftet würzig-morgenländisch, die Hundsrose himbeerartig-fruchtig und die Zimtrose süß und schwer. Aber nicht nur die Blüten duften. Das Laub einiger Rosenarten duftet nach Harz bzw. Apfel, und wir haben vor kurzem auf einer Exkursion in der Schweiz sogar eine Rose gefunden, deren Blätter nach Mandarinen duften (Rosa villosa var. microphylla f. personata).
Oder die Farben: Da leuchten oft nicht nur die Blüten, sondern im Herbst vielfach auch das Laub in allen möglichen Farbtönen. X Crataemespilus grandiflora zum Beispiel, der Gattungsbastard zwischen Weißdorn und Mispel, ist ein wahres Feuerwerk der Herbst-Farben. Und auch in anderen Jahreszeiten haben die verschiedenen Töne der Blätter einiges zu bieten: von Hellgrün über Dunkelgrün, fast Hellblau bis hin zum Blaurot des Hechtrosenlaubes (Rosa rubrifolia). Und die Fruchtfarben bieten z. B. allein bei den Pflaumen und den Kriechen (Prunus insititia) eine große Farbpalette. Schön sind auch Kombinationen: Schlehenfrüchte neben Hagebutten mit ihren ganz verschiedenen Rottönen oder der Fruchtstand des Schwarzen Holunders neben dem der Weißen Waldrebe. Und die die Verbindung von Blüten-, Laub- und Fruchtfarben zum Beispiel in einer vielfältigen bunten Wildstrauchhecke lässt kaum Wünsche offen und ist den in vielen Gärten üblichen "Bonbonfarben" weit überlegen.
Fühlen und Schmecken: Die aufgeblasenen Früchte des Gelben Blasenstrauches (Colutea arborescens) oder die "Klappernüsse" von Staphylea pinnata sind (nicht nur für Kinder) etwas zum Anfassen, genau wie das filzige Laub einiger Pflanzenarten, um nur diese wenigen Beispiele zu nennen. Und viele Wildfrüchte und uralten Obstsorten (Ahornblatt hat ein eigenes UrObst-Angebot) schmecken oft ungleich aromatischer als die heutigen "Ertragssorten" aus dem Supermarkt und sind dabei auch noch robust und pflegeleicht.
Ahornblatt-Gärten achten Pflanzen als lebendige Mitgeschöpfe mit eigener Würde
Pflanzen sind für uns nicht nur "Material", sondern Mitgeschöpfe mit eigener Würde. Daraus ergibt sich z. B. ein anderer Umgang mit den Pflanzen, als er sonst im Garten- und Landschaftsbau vielfach üblich ist. So legen wir neben der Verwendung von jeweils standortgerechten Pflanzen (die dann eben ohne weiteres Zutun gedeihen) großen Wert auf das genaue Auslegen vor Ort und sorgfältige Pflanztechnik ohne Zeitdruck, damit alles ohne großartige Pflege gut anwächst und auf lange Sicht seinen entsprechenden Lebensraum hat.
Außerdem verwenden wir in unseren Gärten (bis auf wenige Ausnahmen, z.B. beim Obst) ausschließlich Pflanzen, die auf eigener Wurzel stehen, also nicht "okuliert", sondern eben "wurzelecht" sind. Zum einen, weil wir keine "Pflanzen ohne Unterleib" mögen und unser Schöpfer sich schon etwas dabei gedacht haben wird, dass jede Pflanze ihre eigene Wurzel hat. Zum anderen aber auch aus ganz praktischen Gründen, weil es bei wurzelechten Pflanzen keinen Ärger mit Wildtrieben aus der Wurzel gibt und auch nicht die Gefahr besteht, dass die aufgepfropfte Pflanze von der Wurzel irgendwann abgeworfen wird.
Zur Achtung der Pflanzen als Lebewesen gehört auch, dass sie in unseren Gärten älter werden dürfen, ohne ständig wieder mit der Garten- oder Astschere "verjüngt" und dabei in ihrer natürlichen Wuchsform geschädigt oder zerstört zu werden. Wenn Sträucher im unteren Bereich kahl werden, ist das zunächst einmal weder Krankheit noch Makel, sondern ganz natürliche Entwicklung und stellt bald von ganz allein Unterwuchs und die typische Heckensaum-Flora ein, die wieder einen ganz eigenen, schönen Anblick bietet und die Hecke belebt.
Ahornblatt-Naturgärten gehen von den natürlichen Gegebenheiten aus, beziehen natürliche Entwicklungen ein und kommen deshalb mit nur wenigen Pflege-Eingriffen aus
Bei unseren Gartenplanungen gehen wir von den Gegebenheiten aus, die im jeweiligen Garten vorzufinden sind. Übriggebliebene Steine und Bauschutt werden nicht auf die Deponie gefahren, sondern zu Steinhaufen zusammen getragen, auf denen sich dann wunderschöne Trockenstandorte gestalten lassen. Tiefer gelegene Stellen im Garten bzw. solche mit verdichtetem Boden werden mit feuchtigkeitsliebenden Pflanzenarten bepflanzt, ggf. wird noch das Regenwasser gezielt dorthin geleitet.
Selbstverständlich ist, wie oben schon gesagt, dass in unseren Gärten standortgerechte heimische Pflanzen verwendet werden - die beste Gewähr für eine organische Entwicklung des Gartens ohne "Explosionen" nichtheimischer Arten und Sorten und somit für dauerhafte Pflegeleichtigkeit.
In unseren Gärten ist der Mensch Planer und Beobachter zugleich. Das bedeutet zum Beispiel ganz greifbar, dass wild aufgehende Pflanzen wie das Gemeine Leinkraut (Linaria vulgaris), die Gemeine Nelkenwurz (Geum urbanum) oder der Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis) nicht gleich als "Feinde" der ursprünglichen Gartenplanung gejätet werden, sondern Bleiberecht haben: Sie stören nicht, weil sie nicht lästig werden, und bieten kostenlosen Zusatzschmuck.
Die besten Einfälle hat oft die Natur selbst, z. B. wenn sich die Kornrade mit ihren purpurfarbenen Blüten auf einmal in einem ganz anderen Gartenteil ansiedelt, mitten zwischen den gelben Blütenkronen des Kopfginsters. Besser hätte das kein Planer gestalten können! In unseren Gärten lassen wir solche Entwicklungen zu, "dulden" und fördern sogar dynamische Entwicklungen, auch wenn wir sie nicht selbst geplant haben, und greifen nur vorsichtig und gezielt ein z.B. durch das Jäten bestimmter unerwünschter Beikräuter oder aufgehender Gehölzsämlinge.
Eine solche "beobachtende" Beschäftigung mit dem Garten hat schon so manchem Gartenbesitzer als Ersatz für die stupiden Mäh-, Schnitt-, Hack- und Jät-Arbeiten eine wachsende Freude an und Kenntnis der heimischen Tier- und Pflanzenwelt gebracht und ganz neue Sinnes- und Lebensdimensionen eröffnet. Und einige unserer Gartenkunden berichten, dass die Beobachtung der Vielfalt und des lebendigen Treibens in ihre Garten oft sogar ein guter Ersatz für das Fernsehprogramm ist
Auch beim Thema Pflanzenschutz gilt es in der Regel, einfach ein bisschen Geduld zu haben und ruhig zu bleiben. Den "Schädlingen", auch wenn sie manchmal in beängstigenden Massen auftreten können, folgen meist schon nach kurzer Zeit die Nützlinge und sorgen wieder für das notwendige Gleichgewicht, das seit langer Zeit eingespielt ist. Naturgärten sind eben nicht zuletzt durch ihren hohen Besatz an Kleintieren ein vollständiges öko-logisches System mit eingespielten Regeln und Abläufen.
Im Übrigen leben unsere heimischen Pflanzen auch seit Urzeiten mit solchen Schädlings-"Angriffen", haben oft ganz überraschende Strategien entwickelt (wie z. B. die Bildung von Bitterstoffen im neuen Laubaustrieb nach dem Abfressen des alten) oder aber werden zumindest nicht ernsthaft geschädigt. Eine Ausnahme gilt hier mangels ökologischer Anpassung natürlich für den "Feuerbrand" und die anderen Krankheiten, Pilze und Schädlinge, die im Zuge des ungehemmten weltweiten Pflanzenaustauschs aus allen Erdteilen auch nach Mitteleuropa einge-schleppt wurden und hier nicht nur für die Ertrags-Landwirtschaft eine ernsthafte Bedrohung darstellen.
Ahornblatt-Naturgärten leben nicht vom schnellen "Effekt", sondern von nachhaltiger Eigen-Entwicklung
Nachhaltige Entwicklung fängt ganz trivial mit den richtigen Pflanzabständen an, etwa zum Nachbargrundstück und zur Nachbarpflanze: Maßstab ist der langfristige Platzbedarf der jeweiligen Art oder Sorte. Das kann zwar dazu führen, dass die künftige Großstrauch-Sichtschutzhecke aus Sicht der Gartenbesitzer zunächst beängstigende Lücken aufweist (was sich im wahrsten Sinne des Wortes in der Regel aber schnell "auswächst"), bedeutet aber auch, dass sich alle Pflanzen unbedrängt gut entfalten können – und deshalb wiederum keine große Pflege brauchen.
Dazu gehört auch, dass vor der Pflanzung der Boden sorgfältig von Wurzeln befreit und etwaige vorhandene Grasnarbe großzügig (d.h. in der Regel 1 m (!)um die Pflanzstelle bzw. bei Hecken zur angrenzenden Gras- oder Wiesenfläche) abgestochen und nicht nur untergefräst wird. Das mag zwar auf den ersten Blick bezüglich des "Platzverbrauches" übertrieben scheinen, bewirkt aber, dass die jungen Sträucher einen Vorsprung vor dem Gras haben, sich schnell die erwünschte Heckenbegleitflora einstellen kann und sich auch aus diesem Grund wieder unnötige Pflegeeingriffe vermeiden lassen. Offener Boden um neu gesetzte Sträucher herum lässt sich auch durch die Einsaat einjähriger Pflanzen oder die Bepflanzung mit Bodendeckern pflegeleicht "in den Griff" bekommen.
Ebenfalls trivial, aber bei weitem nicht selbstverständlich ist es, vor der Planung die künftigen Nutzungswünsche und Vorstellungen der Gartenbesitzer sorgfältig zu erfragen und diese dann in der Planung und Gestaltung zu berücksichtigen. Wenn z. B. Fenster im Erdgeschoß frei bleiben sollen, gehören dort keine Mittel- und Großsträucher hin, sondern eben nur solche Pflanzen, die in ihrer Endwuchshöhe bis zur Fensterbank reichen. Und ist z. B. wegen der nachbarschaftlichen Verständigung eine niedrig bleibende Hecke gewünscht, werden dafür eben Kleinsträucher bzw. Zwergformen von Mittel- und Großsträuchern verwendet, so dass die Hecke klein und völlig schnittfrei bleibt. Wenn in einem kleinen Garten ein Baum stehen soll, wird kein großkroniger Baum gepflanzt, der in einigen Jahren dann das Haus bedrängt, alles Licht nimmt und dann entweder geschnitten oder aber sogar gerodet werden muss, sondern eben ein kleinkroniger wie z. B. die Blumenesche (Fraxinus ornus, für wärmere Lagen), Mehlbeere (Sorbus aria), Eberesche (Sorbus aucuparia) oder ein kleinwüchsiger Obstbaum. Wird eine schmale, aber trotzdem hohe Hecke gewünscht, ist die Alternative zur 08/15-Hainbuchen- oder Liguster-Formschnitt-Hecke eine schnittfreie(!) Hecke aus schmalwüchsigen Sorten heimischer Gehölze (ein besonderes Schmalheckenangebot gibt es exklusiv bei Ahornblatt).
Pflegegrundsätze, Pflegeberatung und Gartentage
Aus all dem Gesagten ergeben sich - ergänzt durch ein Pflegeberatungsangebot und regelmäßige "Gartentage" mit Fortbildung und Erfahrungsaustausch - folgende Pflegegrundsätze, die Ahornblatt seinen Kunden an die Hand gibt:
Pflege des naturnahen Gartens:
Ein naturnaher Garten verlangt eine gänzlich andere Pflege als ein herkömmlicher Garten.
Faustregel: Im Zweifelsfall eher dulden statt eingreifen.
Nachdem die Pflanzen ungefähr zwei Jahre Zeit zum Anwachsen hatten, beschränken sich pflegerische Eingriffe in den Garten auf:
- Entfernung unerwünschter Gehölzsämlinge
- gezielte Entfernung bestimmter „Unkräuter“
- Wiesemahd (1-2 x jährlich) mit Entfernung des Mähgutes
Sonst sollten Sie nichts tun, sondern Ihren Garten einfach genießen.
Das bedeutet unter anderem Verzicht auf:
- Hacken oder Umgraben des Bodens
- Jäten unbekannter Wildkräuter
- Gehölz-Formschnitte
- Abschneiden abgestorbener StaudenteileEntfernung von Laub und Altholz
- Düngung
Alles in allem also wirklich ein Gartenkonzept mit viel Spaß und wenig Aufwand!
Christoph Schallert
Ahornblatt GmbH
www.ahornblatt-garten.de
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