Hinweis

Lebensbereich Gehölzsaum

Dipl.-Ing. Landespflege Ulrich Schwab, D - München


Als Saum wird der vorwiegend von krautigen Pflanzen eingenommene, meist schmale Streifen am Rand eines Gehölzbestands bezeichnet. Seine typische ökologische Eigenart als Übergangslebensraum kommt in erster Linie durch die besonderen Licht- bzw. Strahlungsverhältnisse zustande: Charakteristisch ist ein täglich mehrmaliger, ziemlich abrupter Wechsel zwischen Besonnung und Beschattung, der u. a. durch vorstehende Zweige hervorgerufen wird, die sich womöglich noch im Wind bewegen. Mit der wechselnden Einstrahlung ändert sich auch die Luftfeuchtigkeit im Bestand. Der Temperaturverlauf ist ausgeglichener als im Offenland ohne extrem hohe oder niedere Werte.

In Abhängigkeit vom Standort und Mikroklima, das vor allem durch die Exposition bestimmt wird, lassen sich verschiedene ökologische Saumtypen unterscheiden: Nordseitig eines Gehölzes gelegene Streifen erhalten nur sehr wenig Besonnung, sie sind meist ziemlich feucht und durch den Laubfall nährstoffreich; auf die dort angesiedelten mastigen und ziemlich hochwüchsigen nitrophilen Staudenfluren soll hier nicht näher eingegangen werden. In nach Osten bis Südosten und Westen bis Nordwesten exponierten Säumen stellen sich gewöhnlich Stauden- oder Grasfluren mittlerer Standorte (mesophile Saumstaudenfluren) ein, die sowohl niederwüchsige Frühjahrsblüher als auch im Hochsommer auffallend blühende Hochstauden enthalten. Für den Artenschutz besonders wertvoll sind die nach Süden oder Südwesten exponierten thermophilen Säume, vorzugsweise in Höhenlagen unter 500 m ü. NN. Zeitweilig starke Austrocknung des von den angrenzenden Gehölzen stark durchwurzelten Bodens schränken die Nährstoffverfügbarkeit ein, so dass hier auch Magerkeitszeiger gedeihen können. Der Blut-Storchschnabel findet dort seinen optimalen Wuchsort ebenso wie andere eindrucksvolle Sommerblüher. Für die unterschiedlichen Saumtypen empfehlenswerte Wildstauden und -gräser, außerdem einige vor allem auf kalkarmen Böden gedeihende Zwergsträucher sind in den folgenden vier Tabellen mit Angaben der Blütenfarbe und auch mit Hinweisen auf ihre Verbreitung bzw. Bodenansprüche aufgelistet:

Pflanzenarten mesophiler Säume mit Blütezeit im Sommer:

Deutscher Name

Botanischer Name

Blütenfarbe

Verbreitung

Mittlerer Klee

Trifolium medium

purpurrot

verbreitet

Gewöhnlicher Odermennig

Agrimonia eupatoria

gelb

Wirbeldost

Calamintha clinopodium

hellpurpur

Bunte Kronwicke

Coronilla varia

rosa/weiß

Bärenschote

Astragalus glycyphyllos

blaßgelb

Echtes Johanniskraut

Hypericum perforatum

gelb

Wilder Dost

Origanum vulgare

rosa

Doldiges Habichtskraut

Hieracium umbellatum

gelb

Fieder-Zwenke

Brachypodium pinnatum

Gras

Berg- Haarstrang

Peucedanum oreoselinum

weiß

nur regional

Breitblättriges Laserkraut

Laserpitium latifolium

weiß

nur regional

Heilwurz

Seseli libanotis

weiß

nur regional

Berg- Leinblatt

Thesium bavarum

weiß

nur regional

Hain-Wachtelweizen

Melampyrum nemorosum

violett/gelb

nur regional

Feuer-Lilie

Lilium bulbiferum

orangerot

sehr selten

Hügel-Klee

Trifolium alpestre

purpurrot

eher kalkarm

Färber-Ginster

Genista tinctoria

gelb

eher kalkarm

Berg-Platterbse

Lathyrus linifolius

hellrosa

nur kalkarm

Pflanzenarten thermophiler Säume (im Sommer blühend):

Deutscher Name

Botanischer Name

Blütenfarbe

Bemerkungen

Blut- Storchschnabel

Geranium sanguineum

tiefrot

verbreitet

Ästige Graslilie

Anthericum ramosum

weiß

Hirsch- Haarstrang

Peucedanum cervaria

weiß

Pfirsichblättrige Glockenblume

Campanula persicifolia

blau

Kalk- Aster

Aster amellus

violett

Mehlige Königskerze

Verbascum lychnitis

hellgelb

Moschus-Malve

Malva moschata

rosa

auch kalkarm

Schwalbenwurz

Vincetoxicum hirundinaria

weiß

auch kalkarm

Purpur- Klee

Trifolium rubens

tiefrot

nur regional

Diptam

Dictamnus albus

hellrosa

nur regional

Elsässer Haarstrang

Peucedanum alsaticum

weiß

nur regional

Aufrechte Waldrebe

Clematis recta

weiß

nur regional

Sichelblättriges Hasenohr

Bupleurum falcatum

grüngelb

nur regional

Straußblütige Wucherblume

Chrysanthemum corymbosum

weiß

nur regional

Berg- Kronwicke

Coronilla coronata

gelb

nur regional

Färber-Meister

Asperula tinctoria

weiß

nur regional

Essig-Rose

Rosa gallica

rot

nur regional

Im Frühjahr blühende Saumpflanzen:

eutscher Name

Botanischer Name

Blütenfarbe

Bemerkungen

Wohlriechendes Veilchen

Viola odorata

violett

verbreitet

Rauhaariges Veilchen

Viola hirta

hellblau

Gewöhnliches Lungenkraut

Pulmonaria officinalis

blau/ (rosa)

Wald-Erdbeere

Fragaria vesca

weiß

Hohe Schlüsselblume

Primula elatior

gelb

Nickendes Perlgras

Melica nutans

Gras

Großes Windröschen

Anemone sylvestris

weiß

nur regional

Salomonsiegel

Polygonatum odoratum

weiß

nur regional

Saumpflanzen schattiger, eher feuchter Standorte mit auffallender Blüte:

Deutscher Name

Botanischer Name

Blütenfarbe

Große Sterndolde

Astrantia major

weiß

Wald-Engelwurz

Angelica sylvestris

weiß

Akeleiblättrige Wiesenraute

Thalictrum aquilegifolium

helllila

Nesselblättrige Glockenblume

Campanula trachelium

dunkelblau

Wald-Witwenblume

Knautia dipsacifolia

violett


Wegen der nur selten erforderlichen Pflegeeingriffe kommt Gehölzsäumen eine wichtige Bedeutung als Tierlebensraum zu. Die gegenüber dem Inneren eines Gehölzbestands stärkere Besonnung ermöglicht vielen Insektenarten eine erfolgreiche, nicht durch Sommermahd gestörte Larvalentwicklung bis hin zum Imago. Stehenbleibende verholzende Stängel und wenigstens stellenweise liegenbleibende Laubstreu werden von vielerlei Kleintieren als Überwinterungshabitate aufgesucht. Beispielsweise legen Wegameisen ihre hügeligen Bauten im Oberboden an. Von den Feldheuschrecken kann sich außer den häufigen Grashüpferarten und der Strauchschrecke in Süddeutschland auch die Kleine Goldschrecke einstellen. Auch für langgrasige Bestände typische Laubheuschrecken, vor allem Roesels Beißschrecke und Grünes Heupferd, finden hier geeignete Lebensbedingungen. Für Nektar saugende Insektenarten wie Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und viele Schmetterlingsarten gehören blütenreiche Säume im Hochsommer nach der Mahd der Blumenwiesen zu den bedeutendsten Nahrungsquellen. An ihren Lebensraum relativ anspruchslose Tagfalterarten mit Raupenstadium im Sommer können hier im Gegensatz zu zweischürigen Wiesen ihren Entwicklungszyklus bis zum Schlüpfen des Falters abschließen. Denkbar ist eine Fortpflanzung einiger Augenfalter, deren Raupen an Süßgräsern fressen, z.B. Kleines Wiesenvögelchen, Großes Ochsenauge oder Schachbrett, möglich auch die Entwicklung des Schwalbenschwanzes an der Mehrzahl der in den Tabellen aufgeführten Doldenblütler.

Als schmaler Streifen von wenigstens 80 cm, möglichst aber 1,5 m Breite kann ein Saum auch in recht kleinen, lang gestreckten Gärten entwickelt werden. Notwendige Pflegemaßnahmen sind das Ausschneiden des Unterholzes in der gewünschten Saumbreite bis ca. 2 m in eine Höhe von ca.1,5 m, damit die Saumstauden und -gräser gut gedeihen können. Auf eine Mahd während des Sommers soll verzichtet werden. Im zwei- bis dreijährigen Abstand ist ein Ausmähen eines jeweils wenige Meter langen Abschnitts des Saums von Mitte September bis Mitte Oktober erforderlich, damit sich der Gehölzbestand nicht weiter ausbreitet. Das Mähgut soll nach einigen Tagen Trocknungszeit entfernt werden, nicht aber das anschließend abfallende Laub (außer man strebt abschnittsweise einen sehr mageren Saum an). Der Grenzverlauf zwischen Saum und angrenzendem Grünland soll möglichst buchtig ausgeformt werden. Die Strukturvielfalt wird auch durch gehölznah (in kleiner Menge) liegen bleibendes Totholz erhöht. Die floristische Vielfalt kann durch Einpflanzen erwünschter und standörtlich geeigneter Wildpflanzen gesteigert werden (vgl. Artenauswahl in den Tabellen). Viele der aufgeführten Arten sind sparsam einzubringen, da sie sich bereits in wenigen Jahren ziemlich stark ausbreiten.

 

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