Hinweis

Extensive Gründächer düngen?

Dipl. Ing. Martin, D-Freising

Ohne Düngung geht es nicht!

In kaum einem anderen Bereich des Gartenbaus bzw. des Garten- und Landschaftsbaus wird die Düngung von Pflanzen derartig kontrovers diskutiert wie bei Dachbegrünungen. Zum einen empfiehlt die FLL (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V.) jährlich eine Düngung auf der Basis von 5 g N/m² (Extensivbegrünung) bzw. 8 g N/m² (Intensivbegrünung) vorzunehmen. An anderer Stelle hingegen werden Düngegaben als Mangel im Begrünungssystem sowie als Hinweis auf ein fragwürdiges Natur- und Umweltverständnis angesehen. Es wird von einem geringen Nährstoffbedarf der Dachbegrünungspflanzen ausgegangen, wobei zugeben werden muss, dass genaue Daten zum Nährstoffbedarf der zur Begrünungen verwendeten Pflanzenarten unbekannt sind. Um den Nährstoffbedarf einer Dachbegrünung zu decken, kommen verschiedene Quellen in Betracht:

Stoffeintrag aus der Atmosphäre
Zu nennen ist hier vor allem die jährliche Stickstoffdeposition, die in Deutschland bei durchschnittlich 1,6 g N/m² liegt. Dieser Stickstoffeintrag reicht in der Regel nicht aus, um den N-Bedarf der Dachbegrünungspflanzen zu decken - abgesehen von Pflanzenarten mit extrem niedrigen Nährstoffbedarf (z.B. Sandtrockenrasen).

Mineralisation
Aus den organischen Bestandteilen der Vegetationstragschicht können hierbei langfristig beachtliche Nährstoffmengen freigesetzt werden, sofern nährstoffreiche organische Komponenten (z.B. Rindenhumus, Kompost) verwendet werden. Bei Anteilen von 10 -30 Vol.% Kompost oder Rindenhumus kann eine bedarfsgerechte Versorgung der Pflanzen mit allen Nährstoffen sichergestellt werden. Allerdings sind hierbei z.T. beträchtliche Nährverluste (Stickstoff, Phosphat, Kali) durch abfließendes Dränwasser möglich. Bei bereits länger bestehenden Dachbegrünungen ist anzunehmen, dass auch ein Teil der gebildeten organischen Substanz (abgestorbene Blätter und Sprossteile) mineralisiert wird und somit Nährstoffe zur Verfügung gestellt werden. Die so im Kreislauf geführte Nährstoffmenge lässt sich jedoch kaum abschätzen.

Verwitterung
Bei der Verwitterung feiner mineralischer Substratbestandteile werden Nährstoffe frei. Es handelt sich dabei v.a. um Kalium, Calcium, Magnesium, Phosphat und Spurennährstoffe. Die freigesetzten Mengen werden jedoch als sehr gering eingeschätzt.

Düngung
Falls ohne oder nur mit sehr geringen Mengen an nährstoffreicher organischer Substanz gearbeitet wird (z.B. einschichtiger Aufbau), müssen Nährstoffe in der Regel über Düngemittel angeboten werden. Eine sachgerechte Düngung ist dabei auf den Nährstoffbedarf der Pflanzen abgestimmt, d.h. sie ermöglicht zwar eine relativ rasche Ausbreitung der Vegetation, wobei die Pflanzen aber stets ihren arttypischen Habitus behalten. Zudem wird eine Belastung des Dränwassers mit überschüssigen Nährstoffen vermieden. Als günstig hat sich hierbei die Verwendung von umhüllten Depotdüngern (z.B. Osmocote, Plantacote) in den von der FLL empfohlenen Aufwandmengen erwiesen.

Diese Düngungsmaßnamen sollten zumindest in den ersten 5 Jahren nach der Begrünung durchgeführt werden. In diesem Zeitraum kann sich organische Substanz aufbauen, aus der ein Teil der enthaltenen Nährstoffe über Mineralisation den Pflanzen wieder zur Verfügung gestellt werden kann.

Ob die dabei freigesetzte Nährstoffmenge ausreicht, ist weiterhin zu beobachten.

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