Hinweis

Blumenwiesen in öffentlichen Grünanlagen

Dr. Reinhard Witt, D - Ottenhofen

 

737061_0025_web2.jpgBlumenwiesen statt Rasen
Es tut sich was im Grün. Stuttgart ist in der Grünplanung vorbildlich. Karlsruhe, Augsburg und München auch. Nicht zu vergessen das hol­ländische Amstelveen, das österreichische Wien. Doch kennen Sie Ottenhofen? Gottmadingen? Ödenwaldstetten? Oder Amriswil in der Schweiz? Sagen Ihnen vorbildliche Begrünungsprojekte in diesen kleinen Gemeinden etwas? Immer mehr Landschaftsarchitekten, Grünflächenämter, fortschrittliche Kommunen und Gartenbesitzer verabschieden sich vom Einheitsgrün. Mit Siebenmeilenstiefeln ergreift die Natur Besitz von Grünzonen, erobert öffentliche Parkanlagen und Straßenränder. Mit ihrem Einzug fallen altherge­brachte Raster zugunsten eines neuen farbenfro­hen und quicklebendigen heimischen Grüns.

Für die neue Linie sprechen viele Gründe:
Ästhetik:
Das bunte, heimische Grün stößt auf Zustimmung.
Pflege: Wildpflanzengrün ist leichter und schneller zu pflegen.
Kosten: Naturnahes Grün belastet den Etat bei der Anlage um bis zu 80 %, bei der Pflege bis zu 90 % weniger. Bei allgemein angespannter Finanzlage eine entscheidende Ersparnis.
Umwelterziehung: Ansaaten oder Pflanzungen mit heimischen Arten sind ein lebendiges Beispiel für praxisnahen Schulunterricht.
Ökologischer Nutzen: Natürliches Grün verbessert die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes in Stadt und Land.
Biotopverbund: Durch viele kleine und größere naturnahe Begrünungen werden isolierte Lebensräume mit­einander wieder vernetzt
Naturschutz: So kann die Artenvielfalt von Wildtieren entscheidend erhöht werden, selbst im Stadtzentrum.

737061_0044_web2.jpgTrend zu naturnah
Kurzum: Die Idee der naturnahen Garten- und Landschaftsgestaltung ist nicht mehr aufzuhalten. Eine Umfrage des Karlsruher Gartenbauamtes bei 15 deutschen Städten be­stätigt den Trend:

Naturnahe Pflege öffentlicher Grünflächen beginnt sich allgemein durchzusetz­en. Viele kleinere Kommunen zeigen heute gleichfalls Mut und Offenheit fürs Öko-Grün. Statt Schurrasen sät man strapazierfähige Blumenrasen ein, gestaltet Grünanlagen natur­nah um und setzt verstärkt auf Dachbegrünung. Gleiches gilt für Gewerbegebiete, Industrieanlagen oder Wohnbebauungen. Auch in freier Landschaft gibt es vielfältige Möglichkeiten, naturnah zu planen: Straßenböschungen, Lärmschutzwälle, Feldraine, Extensivierungsflächen, Wegrand- und Ackerstreifenprogramme zeigen, dass es geht. Insgesamt bricht sich die Erkenntnis Bahn: Heimische Wildpflanzen sind durch nichts zu er­setzen. Und um wie viel schöner ist eine bunte Blumenwiese statt des üblichen monotonen Landschaftsrasens?

Knowhow gefragt Doch damit das in der Praxis funktioniert, be­darf es eines gewissen Knowhow. Schließlich gibt es verschiedene Techniken der Anlage: Naturentwicklung, Umwandlung, Saat mit Saatgut, Heumulch, -drusch und -blumen oder gar Pflanzung. Nicht zu vergessen sind Probleme mit Beschaffung und Qualität des Saatgutes. Qualitativ hochwertiges heimisches Saatgut gibt es über die Fachbetriebe für naturnahes Grün ® (www.naturgarten-fachbetriebe.de)

 

Literatur:

Witt, Reinhard (2001) Der Naturgarten. Lebendig, schön, pflegeleicht. Pflanzvorschläge für alle Standorte. BLV Verlag, München.

 

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