Duft für die Seele: Alpenbalsam als Terrassenfreu(n)de
Dr. Reinhard Witt, D - Ottenhofen
Das Bild: Alpenbalsam ist ein nahezu unbekannter Schöner. Ich habe ihn noch in keinem Naturgarten gesehen. Selbst in den einschlägigen Pflanzen-Bestimmungsbüchern findet man ihn kaum. In Natur besiedelt die Kalk liebende Art als kurzlebiger Pionier Felsen und Geröllhalden. Wer sie je in ihrer unglaublichen Pracht dort blühend zu Gesicht bekam, wird sie im Garten nicht missen mögen. Wenn man sie im Garten auf fetten Böden ansiedelt, dürfte man jedoch kaum Erfolg haben. Nach dem ersten Winter oder spätestens nach der Blüte sterben die Triebe ab. Anders dagegen auf mageren, steinigen Böden. Ich habe den natürlichen Schuttsiedler erfolgreich folgendermaßen in einem großen Topf eingebürgert: Der Topf wurde mit einem nährstoffreichen Substrat (siehe oben) gefüllt. Nur die oberen 10 cm füllte ich mit Scherben und Bruchstücken von Ziegeln und Betonbrocken (mit dem Fäustel klein gehauen) auf, in die ich direkt Stricklers Topfstauden setzte. Zwischen den Schutt kam auch etwas der Erdmischung. Die Mutterpflanzen blühten im ersten Jahr bereits wunderbar rosa (selten auch: weiß) und säten sich dann in die Schuttritzen übermäßig aus. Im zweiten Jahr war dann der ganze Topf reiner herrlich duftender Alpenbalsam. Im gleichen Substrat und Topf wohnt übrigens ein Diptam (Dictamnus albus), dem diese Kombination von Nährstoffen, Trockenheit und Wärme genauso behagt. Die Pflanzung auf einer Kiesfläche (Mauerkrone) entwickelte sich ebenfalls gut, wurde aber von der Scherbeninstallation in Dichte und Fülle um Längen übertroffen. Da der im Prinzip mehrjährige Alpenbalsam aber sehr unstet ist, sollte er sich weiter aussäen können. Er wird sich bei guter Führung (des Gartenbesitzers) in Ihrem Garten verbreiten und zur Maienzeit wunderbare Düfte verschenken. Genießen Sie dies...
Der Standort: sonnig und halbschattig, trocken, nährstoffreich mit reichlich Bauschutt, das alles in einem Wildpflanzentopf oder auf der Krone einer Trockenmauer
Der Boden: Nährstoffarm, mit klein gehauenem Gesteinsschutt (alte Ziegel, Betonplatten), dazwischen bzw. darunter eine "Erdmischung" aus ½ Sand und ½ sterilem Kompost. Alles unkrautfrei. Wächst auch auf reinem Kiesboden, aber nicht so prächtig.
Die Pflanzenarten: Alpenbalsam (Erinus alpinus)
Die Bezugsquelle: Wildpflanzengärtnerei Strickler
Die Pflanzdichte: 10 Pflanzen/m² bei flächiger Pflanzung, bei der Pflanzung entlang von Mauerkronen 5 Stück/lfm, im großen Topf reichen 2-5 Exemplare
Die Pflege: Jungpflanzen sechs Wochen feucht halten, Jäten herbei geflogener Spontanunkräuter
Die Entwicklungszeit: Pflanzung im Herbst 2002, Foto Mai 2004
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