Hinweis

Naturnahe Spielraumplanung

Roland Seeger, D - Hohenahr-Altenkirchen

Naturnahe Spielräume werden zunehmend populärer. Nicht nur weil sie kostengünstiger (oftmals weniger als die Hälfte bisheriger Gerätespielplatzkonzepte), umweltverträglicher und spielbedeutsamer sind, sondern weil dort auch Generationsübergreifende positive Sozialerfahrungen mit vielschichtigen Naturbegegnungen und Naturerfahrungen gemacht, (be)griffen und geprägt werden können. Diese Tatsachen können nicht hoch genug angesiedelt werden. Kleinkinder und Kindergartenkinder erleben diese Räume in ihrer außergewöhnlich offenen und sensiblen Phase, in der die Denk- und Handlungsweise nachhaltig geprägt wird und man Grundbausteine für eine lebenswerte Zukunft legt. Gemeint ist dabei globales Denken und lokales Handeln, ganz im Sinne der Agenda 21.

Die Methode der Bürgeraktion
Interessant sind Konzepte, die darauf abzielen, gemeinsam mit den künftigen Benutzern solche Freiräume umzugestalten. Kinder und Erwachsene begegnen sich auf ungewöhnliche Weise. Geplant und gebaut wird gemeinsam. Alle Vorgehensschritte und Kostenfaktoren werden schrittweise transparent gemacht. Qualifizierte Bauentwürfe in kleinste Bauabschnitte zerlegt sowie gezielter Maschinen- und Materialeinsatz, schaffen sofortige Ergebnisse und wirken dadurch für die Beteiligten motivierend. Es handelt sich hier um ein Partizipationsmodell, bei dem man alle verfügbaren Kompetenzen bündelt. Entgegen früherer Ansätze, werden bewusst auch die vorhandenen und bisher ungenutzt gebliebenen Kompetenzen der Bürgerinnen und Bürger berücksichtigt. Man sollte diese nur zulassen.

Das Ziel ist es, einen „Natur-Spiel-Raum“ gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und anderen Bürgern entstehen zu lassen.
Es ist ein Grundbaustein als gestalteter Raum, der sich nachfolgend entsprechend den jeweiligen Zielsetzungen weiterentwickeln kann und soll. Große Baumaßnahmen sind in dem Nachfolgeprozess nicht mehr notwendig. Die Natur selbst ist der künftige Hauptlieferant neuer Ideen und Impulse. Folgekosten entstehen dadurch nicht mehr.

Geplant und gebaut werden Sandseenlandschaften mit „reißenden Flüssen“ aus Kies und Sand. Sie sind eingebunden in Hohlwege mit artgerechten heimischen Wildgehölzen. Baumstamm- und Naturbrücken sorgen für die notwendigen Spielverläufe. Ein ständiger Materialwechsel bietet sinnliche Anregungen und gestattet auch Veränderungen im Naturspielraum. Dazwischen liegen Spielhügellandschaften, die als naturnahe Kletterobjekte mit Rückzugsmöglichkeiten gebaut werden. Spielhecken dominieren in solchen Konzeptionen. Höhlen im Hang bieten weitere Spielerfahrungen. Baumstämme, Wurzelstöcke, Naturspielhäuser aus Weidenstecklingen, Erlebnisflächen aus den verschiedensten Bodenmaterialien, Bergsteigersteine, Naturzäune und vieles mehr regen immer neu zum Entdecken und Experimentieren an. Die unvollständige Aufzählung von Möglichkeiten, naturnahe Spielräume zu bereichern belegt, daß diese Konzeptionen als Sinnes- und Spielbereiche sowie Begegnungsstätten mit der Natur eine Ideenvielfalt benötigen und bei der Planung wie Umsetzung „Natursensibilität“ gefragt ist.

Setzt man bei der Neugestaltung des Freibereiches auf die Methode der Bürgeraktion, sollte gleich zu Beginn der Entscheidung umfassende Transparenz gewährleistet sein. Nur so kann man Bürgerinnen und Bürger nachhaltig dafür motivieren, sich anschließend in der Bauphase auch aktiv einzubringen. Wichtig dabei ist, daß man bei der Konzeptentwicklung frühzeitig mitteilt, welche enormen Chancen im Umbau selbst für die Erwachsenen liegen. Ein großer Profit steckt dahinter.

Durch die Bürgeraktion und ungewohnte Herausforderung werden sich die Mitmenschen (Helferinnen und Helfer bei der Umgestaltung des naturnahen Spielraums) untereinander neu und intensiver wie bisher erleben. Der Spielraum wird so zur Begegnungsstätte, da man dort seinen „Handabdruck“ gemeinsam mit anderen hinterlassen hat. Aktionsformen dieser Art greifen dabei tief in unsere Psyche ein. Sie hinterlassen bleibende soziale Spuren und sorgen für eine veränderte Bewußtseinsbildung, die sich auch auf den privaten Bereich und künftige Handlungen überträgt. Das kommt letztendlich in der Folge auch der größeren Gemeinschaft zugute. Feine Formen der sozialen Kontrolle für den geschaffenen Freiraum schaffen danach ein Klima für mehr Miteinander, Mitmenschlichkeit und vor allem für mehr Umweltbewußtsein. Das schafft die Möglichkeit für eine offenere Kinder- und Umweltpädagogik, die anhaltend politisch und innerfamiliär auf die Kinder, aber auch auf unsere Gesellschaft fördernd wirkt.

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