Hinweis

Neue Wege für Schulhöfe, Kindergärten und Spielplätze

Dr. Reinhard Witt, D - Ottenhofen

Begriffe wie naturnahe Spielräume oder Natur-Erlebnis-Räume liegen im Trend. Immer mehr Schulhöfe, Kindergärten oder Spielplätze werden naturnah umgestaltet oder gebaut. Dabei gibt es einige Prinzipien:

  • Naturgartenbau mit heimischen Materialien und handwerklicher Technik.
  • Verwendung heimischer Pflanzen.
  • Benutzerbeteiligung ist erwünscht, aber nicht Bedingung (Eltern. Schüler, etc. planen, bauen und pflegen mit).
  • Eine dauerhafte Projektbegleitung, die von der Planungsphase über die Bauvorbereitung, die Projektwochen oder Projekttage bis letztlich zu Pflege geht, sollte gewährleistet sein. Der Betreuer, im Idealfall ein Fachberater für Natur-Erlebnis-Räume, ist dabei eine Art Moderator und begleitet den Prozess über einen Zeitraum von 2-3 Jahren.

736271-0045 web2_1.jpgDas ist gerade in der gegenwärtigen Finanzkrise vieler Auftraggeber ein neues Arbeitsfeld für den Galabau, der bislang diesen Bereich nicht abgedeckt hat oder abdecken konnte. Doch mit entsprechender Qualifizierung eröffnen sich hier viele zusätzliche Arbeitsbereiche. Beginnen wir mit dem wichtigsten, dem lieben Geld.

Nur wenige Natur-Erlebnis-Projekte können finanziell aus dem Vollen schöpfen. Am ehesten ist das noch bei einem Neubau möglich. Damit ist automatisch auch die Außenanlage finanziert. Etwas schwieriger wird es bei einer Umgestaltung. Hier lässt sich der Kostenträger am leichtesten überzeugen, wenn glaubhaft dargelegt wird, da eine naturnahe Konzeption mit Benutzerbeteiligung ausgesprochen kostengünstig ist.

736271_0039_web2.jpgDa die hier vorgestellten Natur-Erlebnis-Räume wesentlich weniger kosten, als die konventionelle Lösung, rennen wir bei knappen Kassen offene Türen ein. Mit erheblich geringeren Mitteln, als geplant, lassen sich sehr viel attraktivere Anlagen schaffen. Durch die Eigeninitiative der Benutzer und Eltern, ihre kostenlose Arbeitsleistung können anspruchsvolle Ideen weit unter dem sonst üblichen Kostenschnitt verwirklicht werden. Das heißt in der gegenwärtigen Lage knapper Kassen, dass wir so Aufträge bekommen können, die konventionell ausgeführt aufgrund fehlender Mittel gar nicht zustande kämen.

Gleichzeitig wird eine hohe Wertschöpfung betrieben. Würde eine aufwändige Anlage wie der Natur-Erlebnis-Schulhof in Dietenhofen von Architekten geplant und von Firmen gebaut, käme sie nicht unter 400.000 Euro. Errichtet worden ist sie für ein Viertel des Betrages, für 100.000 Euro. Beim Kindergarten in Oberneuching entstand durch die unentgeltliche Eigenleistung der Eltern ebenfalls eine um mindestens das doppelte wertvollere Anlage. Auch können durch Spenden erhebliche Mittel zusammenkommen. Als Beispiel der Natur-Erlebnis-Schulhof Abensberg. Zu den reellen Baukosten von 91.000 Euro für 2000 m² muss man 23.000 Euro Materialspenden von Eltern, Firmen und Verbänden hinzurechnen. In Dietenhofen sammelte der Förderverein sogar zusätzlich zu den bewilligten 100.000 Euro weitere 32.000 Euro – Geld, das der Projektverwirklichung zur Verfügung stand.

Wie auch immer: Selbst für den schlechtesten Fall kann man beim Bau gegenüber einer herkömmlichen Anlage mit einer Einsparung von 50 % der Kosten rechen.

Ob klein oder groß: Die Benutzerbeteiligung und die konsequente naturnahe Gestaltung zahlt sich in jedem Fall aus.

736271_0050_web2.jpgDie Kosten und Daten für über 30 Projekte sind im Internet auf der Homepage von Reinhard Witt, Fachbetrieb für naturnahe Grünplanung nachzulesen. Sie sind abhängig von der Größe, der Lage und den Ansprüchen an das Projekt. Die Summen liegen zwischen 8 und 50 Euro/m². Die meisten Projekte kosten jedoch um die 20 Euro/m². Bilden wir aus allen beschriebenen Projekten einen Durchschnittpreis, so kommen wir auf 29 Euro/m². Und das trotz eines kindgerechten, artenreichen Außengeländes mit einer Vielzahl von pädagogisch-ökologisch hoch qualifizierten Angeboten. Dieser Wert wird selten von einer konventionellen Gestaltung unterschritten. Als Durchschnittswert errechnete der Arbeitskreis Organisation und Betriebswirtschaft der ständigen Konferenz der Gartenamtsleiter (GALK) aus einem Datenpool von 100 Grünflächenämtern bei Kindertagesstätten für einen Quadratmeter 31 bis 77 Euro /m². Bei Spielplätzen sind es 26 bis 77 und bei Schulanlagen 31 bis 62 Euro. Wohl gemerkt: Es sind Durchschnittswerte: Eines der Beispiel im Buch Natur-Erlebnis-Räume (Wassertrüdingen in Mittelfranken) zeigt: Bei der herkömmlichen Gestaltung des Außengeländes muss man mit Kosten bis zu 130 Euro/m² rechnen. Das ist fast das Fünffache der naturnahen Variante von im Schnitt 25 Euro/m².

Herstellungskosten bei konventionellen und Natur-Erlebnis-Räumen im Vergleich

Durchschnittswerte der Grünflächenämter Deutschlands

Durchschnittswerte aus dem Bau von 19 Natur-Erlebnis-Räumen

Ausstattung (Mittelwert)

Standardausstattung mit versiegelten Flächen


eingegrenzte Sandspielflächen

viele technische Spielgeräte

stereotype Bepflanzung oft mit nicht-heimischen Arten

wenige Pflanzenarten

Gestaltete Spiellandschaft mit Hügeln und Tälern

Naturnahe Wege und Plätze

Naturmaterial als Spielgerät

Vereinzelte technische Spielgeräte

Großer Artenreichtum an heimischen Stauden, Blumenwiesen, Säumen, Gehölze

Gesamtkosten pro Quadratmeter in Euro

Kindertagesstätte 54
Spielplatz 52
Schulanlage 46

Durchschnitt 51

 Kindertagesstätte 17
Spielplatz 29
Schulanlage 28

Durchschnitt 25

Kosteneinsparung durch Natur-Erlebnis-Räume:

Kindergarten 68 %
Spielplatz 44 %
Schulanlage 39 %
Durchschnitt 50 %

 

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