Hinweis

Gestaltungsgrundsätze für Natur-Erlebnis-Schulhöfe

Dr. Reinhard Witt, D - Ottenhofen

In 12 Schritten zum naturnahen Pausenhof

736270_0039_web2.jpg1. Die Schüler sammeln Ideen
Zunächst werden die Ideen der Schüler gesammelt. Wichtige Punkte auf dem Weg zur eigenen Planung sind nicht Konsumorientierte Fragen wie: Was wollen wir in der Pause erleben? Welche Gestaltungselemente benötigen wir, damit diese Erlebnisse möglich werden? Welche Gestaltungselemente können wir selbst mit Lehrern und Eltern bauen? In einer Ausstellung werden hierzu aus dem Akademiebericht „101 Idee zur Gestaltung des Schulgeländes“ Anregungen geboten. Hinzu kommen eigene Ideen.

2. Schüler planen ihren Traumschulhof
In einem Wettbewerb basteln und bauen alle Klassen der Schule ihren Traumschulhof in Form dreidimensionaler Klassenmodelle. So können alle Nutzerbedürfnisse berücksichtigt werden. Es gibt nur Sieger, denn jede Klasse erhält eine Urkunde.

3. Das Schulgeländeforum wird gegründet
Alle am Naturschulhof interessierten Kreise finden sich zusammen: Schüler, Lehrer, Schulleitung, Elternbeirat, Hausmeister, Sachaufwandsträger sowie Partner am Schulort (Fachberater für Natur-Erlebnis-Räume, Gartenverein, Naturschutzverband, Wirtschaftsverband). Diese maximal 20 Personen starke Gruppe wählt einen engeren „Arbeitskreis Schulgelände“, der konkrete Arbeiten ausführt und dem Schulgeländeforum Beschlussvorlagen zur Diskussion stellt. Das Schulgeländeforum ist zentrale Anlaufstelle, Beratungsgremium und Verhandlungspartner für die gesamte Projektzeit.

736271_0053_web2.jpg4. Das Schulgeländeforum entwickelt die Gesamtplanung
Der „Arbeitskreis Schulgelände“ sichtet und bewertet die Klassenmodelle: Anhand einer Hitliste der am öftesten genannten Gestaltungselemente entwickelt der Arbeitskreis mit Hilfe des Fachberaters eine Gesamtplanung. In ihm ist das Gelände in die vier zentralen Nutzungsbereiche „Ruhe und Kommunikation“, Spiel und Bewegung“, „Naturerlebnis und Artenschutz“ und Kreatives Gestalten“ gegliedert. Gleichzeitig wird eine Kostenschätzung ermittelt.

5. Die Planungen werden im Schulgeländeforum beraten
Mit Hilfe des Fachberaters für Naturerlebnisräume wird entschieden, in welchen Schritten die Realisierung anlaufen kann. Welche Maßnahmen sind im ersten Projektjahr vorgesehen? Was kostet das ungefähr?

6. Die Öffentlichkeit wird informiert
Die Schule stellt allen Interessierten bei einer öffentlichen Veranstaltung die Ergebnisse des Klassenwettbewerbs und die Überlegungen des Schulgeländeforums vor. Es werden neue Mitstreiter und Sponsoren gewonnen.

7736270_0027_web2.jpg. Die Baumaßnahmen werden geplant
Das Schulgeländeforum bzw. der Fachberater erarbeitet einen Stufenplan für das gesamte Projekt. Bei größeren Umgestaltungen empfiehlt sich ein Zeitraum von bis zu fünf Jahren. Die Beteiligung der Schulklassen im ersten Bauabschnitt wird festgelegt. Projekttage oder eine ganze Projektwoche werden geplant.

8. Das Gelände wird grob bearbeitet
Großflächige Entsiegelungen und Geländemodellierung werden in Absprache mit dem lokalen Planer durch örtlichen Bauhof oder Firmen mit Bagger und Schaufellader im Vorfeld geleistet. Wiederverwendbares Material (Bauschutt, Pflaster, etc) wird vor Ort eingebaut.

9. Schulklassen planen ihre Projekte
Mit Hilfe von Schulgeländeforum, Eltern und lokalen Partnern bereiten die Schulklassen ihre Projekte im Unterricht vor. Baumaterialien, die Menge an Baustoffen, Arbeitsgeräte werden mit Hilfe des Fachberaters für Natur-Erlebnis-Räume bestellt.

736270_0045_web2.jpg10. Die Projektwoche wird organisiert
Die Schulklassen werden in Vormittags- oder Nachmittagsgruppen eingeteilt. Es ist sinnvoll, nur mit maximal zwei Klassen draußen zu arbeiten. Ein exakter Zeitplan verdeutlicht, welche Baumaterialien und Geräte an welchem Tag zur Verfügung stehen müssen. Auch der Einsatz von Eltern und zusätzlicher Helfer wird geplant.

11. Die Benutzer beginnen zu bauen
Gemäß der Planung arbeiten Schüler, Eltern und Lehrer unter Anleitung des Fachberaters an den einzelnen Klassenprojekten. Ein Schülerteam vergibt morgens die Werkzeuge und räumt abends wieder ein. Es ist hilfreich, wenn zwei oder drei Bauleiter (Lehrkräfte, Eltern, Planer) während der gesamten Projektwoche anwesend sind, den Überblick behalten und die Arbeiten betreuen. Ein Baustellenfest rundet die Arbeiten ab.

12. Die weiteren Projekte folgen
Im Laufe der nächsten Schuljahre wird der naturnahe Umbau des Schulhofes Schritt für Schritt vorangetrieben. Gleichzeitig übernehmen Klassen Patenschaften für bereits fertig gestellte Geländebereiche. Unter fachlicher Anleitung eines Wildpflanzenkenners/des Fachberaters werden die Ansaaten und Pflanzungen von Blumenwiesen, Wildstauden, Wildsträuchern und Bäumen betreut. Nachrückende Schüler werden auf diese Weise aktiv in die Umgestaltung eingebunden. Damit wird die Verantwortung für das Projekt weitergegeben und Vandalismus verhindert.

Projekte im Internet
www.natur-erlebnis-raeume.de

Fachberater für Natur-Erlebnis-Räume gibt es über den Naturgarten e.V.

Literatur:
Pappler, Manfred und Dr. Reinhard Witt (2001):
Natur-Erlebnis-Räume: Neue Wege für Schulhöfe, Kindergärten und Spielplätze. Gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen planen, bauen und pflegen. Kallmeyer Verlag, Seelze.

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