Hinweis

Betongärtner oder Naturgärtner?

Dipl.-Ing. (FH) Fritz Hilgenstock, D - Hilchenbach


Naturnahe Bauweisen im Garten- und Landschaftsbau
Beton ist im Garten- und Landschaftsbau ein weitgehend unverzichtbarer Baustoff der aufgrund seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten sehr oft zum Einsatz kommt. Der herkömmliche GalaBau orientiert sich dabei vorwiegend an den Nutzungsansprüchen der Menschen und einer kostengünstigen Erstellung der Bauwerke. Weitergehende Gesichtspunkte werden meist nicht bedacht. Dabei gibt es durchaus Alternativen, die ganz auf Beton verzichten können oder doch den Gebrauch stark einschränken.

Einige dieser Alternativen möchte ich hier vorstellen.


Naturnahe Bauweisen müssen ebenfalls die an sie gestellten Nutzungsansprüche erfüllen. Sie sind aber auch Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Daher si
nd sie immer, schon direkt nach der Fertigstellung, vegetationsfähig. Die Flora und Fauna auf solchen speziellen Standorten zeigt sich als erstaunlich bunt, anpassungsfähig und vielfältig. Meist sind es wir, die "Nutzer", die mit übertriebenem Sauberkeitswahn und überhöhten Ansprüchen verhindern, dass unser Lebensraum auch von anderen Lebewesen genutzt werden kann.



Beispielhaft möchte ich eingehen auf folgende naturnahen Bauweisen:

  • Treppen im Garten
  • Trockenmauern
  • Wege und Plätze in verkehrsarmen Bereichen

Natürlich gibt es weitere Unterschiede zwischen dem herkömmlichen Garten- und Landschaftsbau und dem Naturgartenbau. Die folgende Tabelle gibt einen kleinen Überblick:

Treppen:
Treppen sind stufenartige Bauwerke, die überall dort erforderlich sind, wo das Längsgefälle eines Weges ein zumutbares Steigungsmaß überschreitet, bzw. eine Höhendifferenz auf engem Raum überwunden werden muss. Treppen müssen bequem und sicher belaufbar sein. Daraus ergeben sich Anforderungen an die Ausführung im Verhältnis zwischen Stufenhöhe und Auftrittfläche. Gute Ergebnisse bringt dabei die so genannte Schrittmaßformel a (Auftritt) + 2h (Höhe) = 63 cm (heute besser 65cm). Weitere anwendbare Formeln sind die Bequemlichkeits- oder die Sicherheitsformel. Die besten Stufenverhältnisse sind nach allen drei Formeln: 16/32 cm, 17/30 cm, 18/29 cm, 19/28 cm

Dabei ist zu beachten, das aus Sicherheitsgründen die gesamte Treppe das gleiche Steigungsverhältnis haben muss.
Der Standard-GaLaBau löst seine Treppenprobleme häufig durch Betonfertigteile (Sicht- oder Waschbetonstufen, Legstufen, Winkelstufen etc.) auf starrem Betonfundament. Wir Naturgärtner arbeiten zumindest mit unstarren Gründungen zum Beispiel für Blockstufen aus Naturstein. Das hat noch dazu den Vorteil, das eventuelle Setzungen des Baugrundes leichter ausgeglichen werden können. Eine weitere Alternative sind zum Beispiel Stellstufen, die entweder in verdichteten Schotter (unstarr) oder Beton (unstarr, stabilisiert) gesetzt werden können. Diese Bauweise braucht wenig Material und die Stellsteine können aus Naturstein (Granit) oder auch Beton (Rand- oder Rasenkantenstein) hergestellt werden. Die Zwischenräume der einzelnen Stufen werden mit feinteilhaltigem Schotter- oder Kiesmaterial verfüllt und sind so tragfähig und können von Pflanzen besiedelt werden. Häufig benutzte Stufen sollten in der Hauptgehrichtung ausgepflastert werden. Je nach Lage und Ausrichtung der Treppe ergeben sich interessante Magerstandorte für Sonnen oder Schatten liebende Pflanzen wie: Sonnenröschen, Mauerpfefferarten, Thymian oder Brauner Streifenfarn, Gelber Lerchensporn, Tüpfelfarn usw.

Trockenmauer:
Zum Bau einer Trockenmauer verwendet man geringfügig bearbeitete Bruchsteine, die ohne Mörtel im Verband verarbeitet werden. Die Fugen sollen eng und Hohlräume klein sein. Man unterscheidet zwischen einhäuptigem und doppelhäuptigem Mauerwerk. Doppelhäuptige Mauern können freistehend erstellt werden.
Trockenmauern dienen der Überwindung von Höhensprüngen im Gelände, übernehmen gestalterische Funktionen wie Raumdefinition, Abgrenzung oder Schallschutz etc. Die Standard-GaLaBau Trockenmauer hat dabei mehr Ähnlichkeit mit einem Steinhaufen, der sich mühsam in der Vertikalen hält. Die Fugen sind häufig mit Oberboden gefüllt und aus ihnen wächst Quecke und Löwenzahn, aber mit Dreck zwischen den Steinen war das Stapeln leichter und der Materialverbrauch geringer. Die naturnahe Alternative orientiert sich an handwerklich perfekten Vorbildern. Schon während des Aufbaus ist sie mit Pflanzen bestückt worden, die diesen Extremstandort gerne besiedeln. Ein paar einfache Regeln sollten allerdings beachtet werden. So sollte jede Trockenmauer mit einer Dossierung von 10-15% (Anzug, Anlauf) errichtet werden, d. h. das Mauerhaupt springt je Meter Mauerhöhe 10-15 cm zurück. Die Breite des Mauerfußes muss mindestens 1/3 der Mauerhöhe betragen. Der Binderanteil (Steine, die durch die ganze Mauerbreite kragen) sollte mindestens 20% betragen.

Die Verbandsregeln der DIN 1053 sind zu beachten:
Nicht mehr als 3 Fugen stoßen zusammen
keine Stoßfugen durch mehr als 2 Schichten
am Mauerfuß und Ecken größere Steine verwenden.
Trockenmauern werden in der Regel unstarr (Schotter oder Kies) gegründet, eine Fundationsschichtstärke von ca. 30 cm reicht dabei meist aus. Auf standfesten gewachsenen Böden kann die Schichtstärke unterschritten werden. Die Fundamentbreite sollte mindestens 40 cm betragen (auf jeder Seite ca. 10 cm breiter als der Mauerfuß). Die Lagerfuge des Mauerfußes sollte mindestens 5 cm unter den Anschlusshöhen der angrenzenden Flächen liegen.
Am Mauerfuß und auf der Krone ergeben sich zusätzliche Standorte, die nicht durch eine Oberbodendecke zunichte gemacht werden sollten. Die Andeckung mit Oberboden fördert auch hier nur die Ansiedlung von "Allerweltskräutern" wie Quecke, Löwenzahn und Co. Diese speziellen Standorte werden gerne von Spezialisten unter den Pflanzen besiedelt, die dem Konkurrenzdruck in einer Mutterbodenfläche nicht gewachsen sind. Der Extremstandort Mauer wird in der Natur oft erst nach Jahrzehnten besiedelt, daher ist es sinnvoll schon beim Bau Pflanzen dieses Standortes mit einzubauen. Nachträglich in die Fugen gequetschte Pflanzen v
ersagen aufgrund des fehlenden Erdanschlusses sehr häufig. Wichtig ist es dabei die Exposition der Mauer zu berücksichtigen trocken heiß oder schattig feucht, für jede Situation gibt es die passenden Pflanzen Ist die Mauer mit einer überstehenden Abdeckung versehen, ist eine erfolgreiche Begrünung sehr Schwierig. Für das Einbringen der Pflanzen werden keine Verbandsregeln gebrochen, d.h. keine speziellen Lücken geschaffen. Die Pflanzen sind in der Lage auch aus kleinen Ritzen heraus zu wachsen, wenn ihnen der Standort zusagt. Der Mauerverband muß nicht unnötig geschwächt werden, 1-3 Pflanzen pro m2 sind möglich.
Elementares Hilfsmittel für das Errichten einer handwerklich korrekten Mauer ist das Schnurgerüst. Ohne sauber gespannte Schnüre verkommt die Mauer zur Schlangenlinie und der Anlauf ist meist nicht erkennbar. Ansonsten braucht man einen Hammer, den Rest kann man mit gutem Auge und den Händen erledigen.
Wer mehr über gutes Trockenmauerwerk erfahren will, sollte in Großbritannien mit der "The Dry Stone Walling Association of Great Britain" Kontakt aufnehmen/ansehen. Dort wird das alte Handwerk noch mit Meisterschaft betrieben und wer die von Mauern durchzogene Landschaft der Insel kennt, der weiß was das bedeutet.

Wege und Plätze in verkehrsarmen Bereichen (i.d.R. fußläufig):
Wege und Plätze sind befestigte Flächen auf denen Menschen gehen und sich aufhalten (z. T. auch Fahrzeuge). Sie erschließen Freiräume, machen sie zugänglich oder verbinden unterschiedliche Nutzungsbereiche. Wege und Plätze müssen, Meist witterungsunabhängig, die Ihnen zugedachten Belastungen tragen können. Dazu kommen Erschließungstechnische und gestalterische Funktionen. Der Standard-GaLaBau verwendet in der Regel Pflaster (Beton, Klinker, Naturstein) mit entsprechender Randeinfassung in Beton. Als naturnahe Alternativen bieten sich an Schotterrasen, Wassergebundene Wegedecken aber auch Betonpflaster (auch Öko- oder Drainpflaster), Klinker und Naturstein mit Fuge. Als Randeinfassung können dabei so genannte Bankette verwendet werden. Der entscheidende Unterschied liegt aber in der richtigen Dimensionierung der Belagsflächen. Sie so klein wie möglich ausgeführt werden und in ihrer Aufbaustärke den tatsächlichen Belastungen entsprechen. So reicht für eine fußläufige Verbindung in der Regel eine
Tragschichtstärke von 15 cm völlig aus. Darauf kommt dann noch eine Deckschicht von 5 cm. Eine Aufbaustärke von 20 cm ist also völlig ausreichend. Wird die Belagsfläche mit PKW befahren erhöht sich die Aufbaustärke der Tragschicht auf 30 cm, immer vorausgesetzt, der Baugrund ist ausreichend tragfähig und liegt nicht im Grundwasserbereich, dann wären die angegebenen Werte nicht ausreichend. Wichtig für ein Funktionieren solch "schwacher" Gründungen ist ein sauberes, gefällsrichtiges Erdplanum. Denn hier entscheidet sich bereits die Qualität der späteren Belagsfläche. Sammelt sich irgendwo Wasser auf dem Erdplanum, können bei Belastung Feinteile aus dem Baugrund in die Tragschicht eingespült werden, die die Kornverteilung der Fundationsschicht negativ beeinflussen, d. h., dass die Tragschicht nicht mehr ausreichend tragfähig ist, Verformungen können auftreten unter Belastung oder Frosteinwirkung. Durch die genaue Planung "verkehrstechnischer" Anlagen lassen sich unnötige Betonorgien und Versiegelungen vermeiden, bzw. der technische Aufwand (Aushub, Materialmenge etc.) lässt sich zu Gunsten vegetationsfreundlicherer Beläge verringern (Kostenvorteil!!!). Hier liegt ein großes Potential brach, denn meist sind die Verkehrsflächen auf Grundstücken überdimensioniert in Größe und Ausführungsart. Auch das Ausschließen jeglicher Vegetation ist nicht wünschenswert, handelt es sich doch in der Regel um wichtige nährstoffarme Standorte mit vielen intensiven Blüten und Düften, wenn ein paar Regeln beachtet werden.
Besonders wichtig ist dabei die Auswahl der Baustoffe nach Standortkriterien für Pflanzen. Ein schlechtes Beispiel ist das so genannte Rasenpflaster. Der in die Fugen verfüllte Oberboden bietet kaum genügende Lebensgrundlage für die angesäten Rasengräser, die Wasserversorgung ist unzureichend, die Strahlung intensiv, die Folge sind Quecken, Poa annua und Wegerich- Kulturen. Diese Rasenpflaster sind einspezieller Standort für Quendel, Sonnenröschen rundblättrige Glockenblume und andere. Daher die Fugen mit Kiessand verfüllen und nicht komplett füllen, damit die Verkehrslast von den Steinen und nicht den Fugen getragen werden kann. Alternativ lässt sich auch ein Schotterrasen anlegen, wie der erfolgreich angelegt wird, wurde bereits letztes Jahr an dieser Stelle ausgeführt.
Ich möchte das Augenmerk auf die Randbefestigungen lenken. Hier besteht die Möglichkeit auf Beton weitgehend zu verzichten, wenn man stattdessen Bankette einbaut. Gleichzeitig entsteht neuer Lebensraum für die von uns Sauberkeitsfanatikern fast verdrängten Wegrandpflanzen. Die im Standard-GaLaBau verwendetet Randsteine bilden ein Widerlager für die Deckschicht und verhindern so seitliches Verrutschen bei Verdichtung und Frosteinwirkung. Diese Funktionen kann ein Bankett ebenfalls übernehmen. Gleichzeitig bieten Bankette sanftere Übergänge zu oberbodenhaltigen, beetähnlichen Strukturen mit interessanten Blühaspekten in unterschiedlichen Höhen und Breiten. Bankette können befahren werden ohne Beschädigung von Reifen und Felge. Der Aufbau ist einfach und kostengünstig. Die Tragschicht wird über die Breite der berechneten Funktionsfläche (Pflaster, Wassergebundene Wegedecke etc.) mindestens 30 cm hinausgezogen. Dann wird die Deckschicht normal hergestellt. In den Randbereichen wird Feinteilhaltiger Schotter oder Kiessand (0/16 mm) niveaugerecht verteilt und unter Wasserzugabe verdichtet (wie Wassergebundene Wegedecke). Wenn der Randabschluss fertig gestellt ist, kann die Deckschicht ohne Verrutschen verdichtet werden. Bankette lassen sich bepflanzen oder ansäen, auch als Standort für Wärmeliebende Kräuter wie Salbei, Thymian oder Lavendel sind sie gut geeignet, zumal man im Vorbeigehen ihren Duft genießen kann.

Literatur:
Frohmann, Martin: Bautechnik 1
Richard Lehr: Taschenbuch für den Garten- und Landschaftsbau
Alfred Niesel: Bauen mit Grün
Lawrence Garner: Dry Stone Walls

Diverse englische Broschüren und Bücher von "The Dry Stone Walling Association of Great Britain", GB-Warwickshire CV 2LG

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