Hinweis

Privatgarten von Annegret Mader in D - 29640 Schneverdingen

Ins Wasser fällt ein Stein, ...
ganz heimlich, still und leise und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise.
Was die Gestaltung von NaturErlebnisRäumen anbelangt, so ist auch in Schneverdingen ein kleiner Stein ins Wasser gefallen. Er zieht seine Kreise, inzwischen auch über die Grenzen der Stadt hinaus, mit unseren Kindern.

Hier fing alles an, bestärkt und massiv beeinflusst durch die Literatur von Reinhard Witt, auf die ich zum ersten Mal in unserer Stadtbücherei stieß:

Die Geschichte
Der Garten ist gut 2000 m² groß und liegt am Rande eines Dorfes. Große Eichen, Birken und Kiefern prägen sein Bild. Der Boden besteht überwiegend aus reinem Sand. Ein Teil des Gartens ist weitgehend sich selbst überlassen. Hier wuchern Waldgeißblatt und Efeu zwischen Brombeeren, Faulbaum und Stechpalme. Andere Bereiche zeugen von der Gestaltungs- und Experimentierfreudigkeit seiner Bewohner. Seit 30 Jahren wohne und arbeite ich hier zusammen mit meinem Mann und inzwischen 2, viele Jahre jedoch bis zu 10 Kindern. In dieser Zeit hat der Garten viel erlebt. Baumbuden kamen und gingen, Erdhöhlen und andere Behausungen kamen hinzu, wir pflanzten Beerensträucher zum Naschen und legten mit den Kindern Beete an. Als die männlichen Pubertisten sich häuften und nicht wussten wohin mit ihrer Kraft, rückten sie mit der Bügelsäge der das Grundstück umgebenden Fichtenhecke zu Leibe und wir pflanzten eine Wildsträucherhecke. In einem Teil des Grundstücks legte die Kinder- und Jugend-Naturschutzgruppe des Ortes einen Teich, eine Trockenmauer und einen Weidentunnel an. Ich habe meine Leidenschaft für Steine, das bedeutet in unserer Gegend Feldsteine, und Bauschutt entdeckt und für die Vielfalt der heimischen Pflanzenwelt. Inzwischen ist die Zahl der Menschen stark zurückgegangen. Die Zahl der Vögel, Bienen und Schmetterlinge und vielerlei anderen Getiers ist jedoch enorm.

Verschiedene Bereiche
Der Teich besteht seit ca. 15 Jahren. Sumpfdotterblume, Sumpfschwertlilie, Blutweiderich und Schilf prägen vor allem den Uferbereich, im trockenen Bereich fühlt sich der Salbeigamander wohl, aber auch Preiselbeeren und Blutwurz. Teichmolche und verschiedene Libellenarten sind hier heimisch und die Erdkröte geht in seiner Umgebung auf Beutezug.
Auf dem 4 m² kleinen Sumpfbeet neben dem Gewächshaus wachsen u. a. Schachbrettblumen, Teufelsabbiss und Sibirische Schwertlilie. Prachtnelken verbreiten hier im Juni ihren Duft.
Mit den erbettelten oder auf Beutezügen erstandenen Steinen, Ziegeln, Platten oder anderen Restposten habe ich verschiedene Plätze und Standorte gestaltet. Dort wachsen überwiegend Pflanzen der Trockenstandorte wie verschiedene Nelkenarten, Zypressenwolfsmilch, Sonnenröschen, Thymiane, Echter Gamander. Zusätzlich gibt es noch einen Bereich für Kräuter.

An der Nordseite des Hauses breiten sich auf einer kleinen Fläche Waldsegge, Walderdbeeren und verschiedenen Farne aus. Hier habe ich größere Mengen verrottetes Eichenlaub eingearbeitet.
Seit der Pflanzenexkursion mit Reinhard 2007 macht sich das Nelkenleimkraut in meinen Töpfen breit. Es fragt nicht. Es ist einfach da und leuchtet, den ganzen Sommer bis weit in den Herbst.
Insgesamt wachsen und blühen im Laufe des Jahres mehr als hundert heimische Wildpflanzenarten und ca. fünfunddreißig Strauch- und Zwergstraucharten. Gibt es irgendeine Pflanze, die ich besonders mag? Ich habe lange nachgedacht und kann mich nicht entscheiden. Jede ist etwas Besonderes und sie begeistern mich alle.

 

 

Die Idee geht weiter...

Spielplatz des Ev. Kindergartens „Am Jordan" in Schneverdingen

Nach meiner Weiterbildung zur Fachkraft für Natur und Umwelt 2005 hatte ich die Möglichkeit, gemeinsam mit Eltern, Kolleginnen und Kindern den 2500 m² großen Spielplatz an meinem Arbeitsplatz umzugestalten. Einige sehr hilfreiche Anregungen bekamen wir von Heinrich Benjes, dem es gelungen war, durch einen engagierten Vortrag die Beteiligten zu begeistern. Von der Planung bis zur Pflege haben wir uns an das Dillinger Modell gehalten, das ich auch für andere Arbeitsbereiche sehr schätzen gelernt habe. Der Hausmeister wurde übrigens unser wichtigster Begleiter. Besonders eindrucksvoll war der engagierte Einsatz einer achten Realschulklasse an zwei Tagen.

Einige besondere Strukturelemente:
Das Sitzrondell aus Recyclingmaterial mit Feuerstelle in der Mitte ist umgeben von einer Dornröschenhecke und einer Staudenuntersaat, bzw. -pflanzung.
Der Wasserspielbereich ist mit einer Bentonit- und Sandmischung abgedichtet. Das hat sich in den vergangenen drei Jahren gut bewährt. Es gibt eine Wasserpumpe. Sie wurde von der Kirchengemeinde gesponsert und mit einem Taufgottesdienst eingeweiht.
Die Schaukel ist von einem Schaukelgarten umgeben. Dieser ist mit heimischen Pflanzen und anspruchslosen Zierpflanzen bewachsen. Kompromisse ließen sich nicht immer vermeiden.
Es gibt eine Kräuterspirale, die seit sechs Jahren einen schönen Blickpunkt bildet.
Sehr beliebt bei den Kindern ist der Naschgarten mit verschiedenen Beerenarten. Außerdem hat jede Gruppe ein Beet, für das sie verantwortlich ist. Einige Apfel-, Kirsch- und Birnbäume erhöhen den Genuss.

Eine sehr große Fläche nimmt der Sandbereich ein, der von Eichenstämmen eingefasst ist, was die Kinder jedoch nicht daran hindert, diesen Bereich großzügig auszudehnen.
Ansonsten strukturieren verschiedene Strauchgruppen das Gelände. Hier haben die Kinder kleine Höhlen und Zimmer eingerichtet.
Wenn die Kinder gefragt werden, was sie im Kindergarten am liebsten mögen, antworten die meisten: den Kletterbaum. Dies sind zwei Feldahorne, die vor sechs Jahren zur Befestigung des Hügels gepflanzt wurden und sehr schnell sehr herausfordernd einige kräftige Äste waagerecht ausgestreckt haben, als wüssten sie, was Kinder brauchen.

Der angrenzende Schulhof der Grundschule Hansahlen

Angesteckt von den Aktivitäten und den Ergebnissen auf dem Kindergartengelände entstand bei Eltern und Lehrern sehr schnell der Wunsch, aus dem Rasen, der sich Schulhof nannte und den wenigen Spielgeräten einen NaturErlebnisRaum zu gestalten. Mit bewundernswerter Energie planten sie mit einem Fachmann, leider ohne Kinder, machten Gelder locker und gestalteten den Schulhof gemeinsam mit den Kindern in den zwei Herbstferienwochen im Jahr 2007 um. Zusammen mit einer Bekannten durfte ich die Bepflanzung der Sträucher planen. Mehrere hundert Sträucher (über dreißig Arten) wurden gepflanzt, Auf einem ca. 10 m² großen Streifen hinter den Fahrradständern legte ich ein Schaubeet an: Wildrosensträucher und eine Untersaat mit dem „Bunten Saum mit ein- und zweijährigen Arten" von Rieger-Hofmann. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Vielleicht wird diese Fläche in den nächsten Jahren erweitert? Die Aussichten stehen nicht schlecht.

Ev. Kirchengemeinde Peter und Paul

In einigen Bereichen des großen Geländes stehen Veränderungen an. Ich wurde nach Ideen gefragt. In einem Bereich sollte es im Frühjahr 2009 eine schnelle und preisgünstige Lösung geben. Statt der geplanten rotlaubigen Berberitzenhecke wurde ein 18m langer und 2m breiter Streifen mit Schotter aufgefüllt, mit verschiedenen heimischen Zwergsträuchern bepflanzt, mit dem „Bunten Saum der Ein- und Zweijährigen" von Rieger-Hofmann untersät, argwöhnisch beobachtet von den Skeptikern und nach einer Dürreperiode auch von mir, aber dann... Nach ca. acht Wochen, fast über Nacht wuchs es mit Macht und noch jetzt im Oktober zeigen sich viele Blüten. Ein bisschen unordentlich sieht es aber trotzdem aus, oder?

Jetzt, wo ich dieses schreibe, verbringen Eltern, Lehrer und Schüler der kooperativen Gesamtschule in Schneverdingen ihre Herbstferien damit, einen Teil ihres Schulhofes naturnah umzugestalten. Etliche haben Kinder in unserem Kindergarten und in der genannten Grundschule und die Anfrage einer weiteren Grundschule liegt vor. Ich unterstütze mit meinen Büchern, mit meinen Fotos, mit einschlägigen Adressen und freue mich.

Bei meinem Sohn

Im vergangenen Jahr hat unser Ältester für seinen Sohn, da war dieser wenige Monate alt, ein Schmetterlingsbeet angelegt.
In Berlin legt unser mittlerer Sohn in diesem Herbst auf dem Hinterhof eines Studentenwohnheimes mit den Mitbewohnern ein kleines Schattenbeet an.
Was schreibt Reinhard? „Naturnahes Grün macht Kinder gesund." Ich füge hinzu: „Nicht nur Kinder."

Annegret Mader