Hinweis

Unser "Kleines Paradies" von Ingrid und Georg Höffer aus D - 26409 Wittmund

Kurzporträt des Gartens:

Jahr der Umgestaltung: 2002
Größe: 7600 m²
Kosten pro m²: 2,50 Euro
Wildpflanzenarten, Lieblingspflanzen und Wildsamen: s.Homepage
Link Gartenhomepage: www.ingrid-und-georg-hoeffer.de

Besichtigung auf Anfrage: georg.hoeffer@web.de

 

 

 

Die Lage unseres Gartens inmitten einer gewinnorientierten Agro-Industrie 

Unser Garten (220 m lang, 34 m breit) liegt auf einem Geestrücken in einer sogenannten Wallhecken-Landschaft inmitten von Wiesen und immer mehr werdenden Mais-äckern. Die meisten Bauern, die die angrenzenden Wiesen und Äcker bewirtschaften, schenken dem Naturschutz keine Beachtung. Ihnen geht es nur darum, einen möglichst hohen Ertrag zu erwirtschaften, und das auch auf Kosten der Natur: Das Pflügen der Äcker bis dicht an den Wallfuß, das Abmähen des Heckenbewuchses (alle Jahre wie-der), so dass die Wälle - bis auf die Eichen, die aber ebenfalls mehr und mehr der Säge zum Opfer fallen - fast gänzlich ohne Bewuchs sind, ist traurige Realität.

Von der Viehweide zum Naturgarten

Als wir 1999 mit der Planung für unser Naturgartenparadies begannen, ahnten wir noch nicht, auf was wir uns da eingelassen hatten. Und als wir uns dann auch noch entschlossen, möglichst alles allein zu planen und auch selbst zu gestalten ohne irgendeine Außenhilfe, war uns auch noch nicht klar, was das wohl für Folgen haben könnte. Wir hatten ja die Bücher von Reinhard Witt und dachten, dass wir mit den Büchern alles ganz gut im Griff hätten.

Was wir damals noch nicht wussten, oder nicht wissen konnten, weil wir eben Laien gewesen sind, war, dass Pflanzen in Norddeutschland nicht unbedingt genauso wachsen würden wie in München. Was Reinhard Witt, der auch erst gerade seinen Garten angelegt hatte, damals vielleicht auch noch nicht wusste, war, dass man bestimmte Sträucher ganz sicher nicht in seinen Garten pflanzen sollte, weil die ganz ganz stark sind, und möglichst den ganzen Platz für sich haben wollen. Und was wir auch nicht wussten: Man kann von Pflanzen und Pflanzengesellschaften ganz fantastische Fotos machen und damit bei dem unbedarften und unerfahrenen Gärtner den Eindruck erwecken: Du kannst von einer tollen Blumenwiese träumen, du musst dir nur das richtige Saatgut besorgen, es aussäen und hast - schwuppdiwupp, genau die gleiche Blumenwiese.
Tja und dann kam noch etwas dazu: Der Naturgarten e.V. ist ein Verein, der im Wesentlichen für Leute da ist, die in Siedlungen wohnen und sich dort einen Na-turgarten anlegen wollen. Er ist nicht für die Leute da, die im ländlichen Raum woh-nen, so wie wir, umgeben von güllegetränkten Maisfeldern, Brennnesselwäldern, in der Flugzeit des Löwenzahnsamens von Löwenzahnsamenschneeschauern heimgesucht, vielen weiteren sehr starken Wildkräutern - wie z. B. dem bei uns dominierendem Spitzwegerich - und Legionen von Nacktschnecken, die sich natürlich alle sofort auf das leckere Schneckenfutter bei uns stürzen, weil sie den ewigen Mais und die immerwährenden Gülleduschen satt sind. Und: der Natur-garten e.V. und seine Protagonisten haben noch nichts für die Leute entwickelt, die auf einem so großen Gelände einen Naturgarten anlegen wollen, ohne unbezahlbare Mengen an Kies anzufahren.

Aber Stopp!!!

Das liest sich ja so, als ob wir enttäuscht wären! Nein, das stimmt überhaupt nicht! Wir mussten nur unseren wirklich eigenen Weg finden und haben ihn gefunden. Wer uns unser Paradies jemals wieder abnehmen will, müsste uns in Handschellen abführen. Wir fühlen uns hier sauwohl, wir haben hier das Paradies auf Erden und wir haben unseren eigenen Weg gefunden und versuchen, die Fehler der Planungsphase wieder auszubügeln, indem wir einfach immer weiter planen und neue Planungen umsetzen. Und das ist immer wieder einfach nur g..... (nee, das schreibe ich jetzt nicht) supertoll.

Klar, jetzt schreiben wir natürlich was von unserem eigenen Weg und den Fehlern, aber auch von den Freuden. Und Reinhard: du bist nicht mehr der ganz totale Guru für uns, der du mal warst, aber du bist immer noch unser Vorbild. An dieser Stelle sagen wir dir unseren ausdrücklichen Dank für deine Bücher und ergänzen sie vielleicht an einigen Stellen. Ohne dich wäre unser Traum niemals in Erfüllung gegangen.

Die Blumenwiese:

Sie ist jedes Jahr anders, überhaupt nicht so, wie erträumt, aber wunderschön. Klingt paradox, ist es aber nicht. Wir wollen hiermit nur denen Mut machen, die versuchen, einen Traum von Garten umzusetzen. Träume sind das eine. Aber Geduld und vor allem die Akzeptanz dessen, was sich letztlich von der ausgestreuten Saat auf dem vorhandenen Boden und in der ganz speziellen Mikro-Region entwickelt und durchsetzt, sind ganz ganz wichtig. Das steht auch immer wieder geschrieben, aber das überliest man so gerne.
Einige Bereiche unserer Wiese haben auch nach mehreren Jahren Wartezeit immer nur sehr große und starke Gräser hervorgebracht. Diese Stellen haben wir uns vorgenommen. In einem Bereich ist jetzt ein zweiter großer Gemüsegarten entstanden (s. Bild oben), denn wir sind weitgehend Selbstversorger im Bereich Gemüse. An anderen Stellen haben wir Sträucher gepflanzt und an wieder anderen Stellen Apfelbäume. Und, interessant: Dort, wo wir Apfelbäume gepflanzt hatten, entwickelte sich in der Folge eine prächtige Blumenwiese. Warum? Das wissen wir nicht, aber wir genießen es. Es gibt einen Bereich, der macht das, was Reinhard Witt geschrieben hat: der magert nämlich immer weiter ab und dort entwickelt sich eine ebenfalls wunderschöne Blumenwiese, auf der in diesem Jahr sogar viele Margeriten standen. Wir dachten zwar immer, dass die Experten sagen, Margeriten sind Pioniere, aber sie scheinen auch in einer Wiese wieder aufzutauchen, wenn ihnen irgendetwas gut gefällt. Und in den letzten zwei Jahren hatten wir in Norddeutschland sehr trockene Frühjahre, in denen nur vereinzelt Nacktschnecken auftraten. Aber wer weiß, wie es nächstes Jahr aussieht.
Tja, dann gibt es noch ein Wiesenstück, in dem haben wir (sündhaft teuren) Klappertopf ausgesät. Der war wunderschön in seiner Blüte anzusehen, wir haben das Stück erst im August gemäht und hoffen nun, dass er im nächsten Jahr wieder-kommt.
Hauptwiesenpflanzen aber sind neben dem Gras der Spitzwegerich, das Ferkelkraut, Sauerampfer, Wiesenpippau, Kuckuckslichtnelke und nach der ersten Mahd die Grasnelke. Vorhanden sind aber auch die Glockenblume, die ist sogar auf dem Vormarsch, nicht mehr so viele Margeriten wie in der Anfangszeit, Wiesenflo-ckenblume, Taubenkropfleimkraut, Habichtskraut, einige Malven.... Im Frühjahr wollen wir mal tüchtig kohlensauren Kalk ausstreuen, weil wir glauben, dass der Boden zu sauer ist. Das haben wir auch mit Herrn Schönfeld vom Hof Berggarten abgesprochen, von dem wir das Saatgut bezogen haben.

Die Hecken:

Wildrosen hatten es uns bei der Planung angetan. Da wir aber die Sträucher weitgehend selbst ziehen wollten (um Geld zu sparen) haben wir in der Natur nach Saat gesucht. Viel gefunden haben wir Zimtrosen und deren Saat keimte auch gut. Also haben wir in einigen Bereichen großflächige Zimtrosenhecken angelegt. Die sind ganz toll gewachsen, aber leider auch unterirdisch weiter nach außen gewandert. Im letzten Jahr, als diese Hecken schon mindestens 3 Meter weiter in die Wiese hinein gewandert waren, haben wir zwischen Wiese und Hecke an den meisten Stellen eine sogenannte Wurzelschutzfolie eingegraben, sozusagen als Barriere zwischen Hecke und Wiese. Die in der Wiese vorhandenen Ausläufer haben wir so gut es ging rausgerissen. Der Erfolg ist eigentlich ganz gut sichtbar, obwohl einige Ausläufer wohl noch liegen geblieben sind, aber die müssen dann auch noch raus. Haselnüsse konnten wir schon ernten, Hagebuttenmarmelade und Berberitzenmus haben wir schon gemacht, Holunderbeerensaft, nur mit den Schlehen haben wir noch nichts probiert. Die sollen nämlich eigentlich erst Frost haben, aber bis dahin sind sie meist schon verschrumpelt und von den Vögeln abgeerntet. Überhaupt werden die Früchte von solchen Vogelmengen heimgesucht, dass sie fast kaum bis in den Winter hinein halten (Auch die Vögel wissen eben, was schmeckt und in der Umgebung finden sie es nicht).
Die Hecken sind in den nährstoffreichen Bereichen sehr gut gewachsen (einige Sträucher sind schon über 6 m hoch, in den nährstoffarmen Bereichen dauert es etwas länger. Insgesamt ist das Grundstück aber schon richtig schön „eingewach-sen" wie man hier sagt. Jetzt müssen wohl bei einigen Sträuchern mal die stärksten Triebe herausgenommen werden, der Ofen muss schließlich auch geheizt werden. An vielen Stellen ist die Hecke zu dicht gepflanzt, aber wie immer im wahren Leben: die Stärksten setzen sich durch. Problematisch ist in einem Bereich der massive Mirabellenbewuchs. Mirabellen sind wohl irgendwann einmal von den Vorbesitzern gepflanzt worden und machen, wie alle Pflaumen, wahnsinnig viele und tiefe Ausläufer. Was wir da machen sollen, wissen wir auch nicht. Vielleicht hat jemand einen wirklich guten Tipp.
Zusammenfassend ist aber die gesamte Hecke - wobei die Sträucher fast alle von uns selbst gesät und gezogen wurden - fantastisch geworden. Im Frühjahr 2009 hatten wir eine solche Menge an Vögeln, dass man schon 200 m vor dem Grundstück das Gezwitscher hören konnte. Wir können sagen: Unsere Hecke entwickelt sich immer mehr zur Kinderstube der Vögel in dieser ansonsten ausgeräumten Gegend, natürlich auch, weil das Nahrungsangebot zur Fütterung stimmt.

Die Staudenbereiche:

4500 Stauden hatten wir gezogen und gepflanzt. Und wie es so ist, wenn man Wildblumen sät, dann keimen einige besser und andere weniger gut. Diejenigen, die gut gekeimt sind, sind dann auch die, die sich sehr kämpferisch geben, wenn sie mal an Ort und Stelle stehen. Beispiel: Virginisches Helmkraut: Sieht ja schön aus, aber überwuchert alles und sät sich überall aus. Viele Pflanzen in der direkten Nachbarschaft scheinen in ihrem Wachstum auch gestört zu werden. Wir haben es immer noch, aber eher in den Randbereichen. Seifenkraut: Wie ein VW: wächst und wächst und wächst und.... läuft und läuft und läuft ....kann man eigentlich nur - wie z.B. Pfefferminz - in Bottiche pflanzen. Wasserdost: wurde bei uns mannshoch, zog Scharen von Bienen an - ganz klasse. „Ein Naturgärtner lässt die Pflanzen bis zum Frühjahr stehen...." Haben wir gemacht, aber jetzt finden wir noch ständig überall neuen Wasserdost, obwohl wir die Pflanzen aus den Staudenbereichen radikal entfernt und in weit entfernte Randbereiche des Gartens gesetzt haben. Das sind drei Beispiele für viele. Nachhaltige Pflanzungen, der neue Trend im Naturgarten e.V. scheint auf so einem Gelände, wo mit dem vorhandenen Boden und mit den einfliegenden Samenmengen gerechnet werden muss, nicht möglich zu sein. Derzeit experimentieren wir mit verschiedenen Möglichkeiten, um den Boden so hin-bekommen, dass einfliegende Samen keine Chance mehr haben. Bisher haben wir mit Holzhäckseln gemulcht (ganz billig - kostet ein LKW 25 Euro vom Wasserverband). Wir wollen aber von diesem Mulch unabhängig werden und haben Pfennigkraut bzw. Gundelrebe als Bodendecker gepflanzt. Beides breitet sich gut aus, bedeckt auch schön den Boden, überwächst aber auch andere Pflanzen. Also noch nicht das Gelbe vom Ei.
Aber auch für die Staudenbereiche gilt: Insgesamt ganz gut gelungen. Im Frühjahr prachtvoll blühende Beete, nach dem ersten Rückschnitt blüht vieles im Sommer noch einmal. Wir haben - fast das ganze Jahr immer irgendwo eine Pflanze am Blühen. „Hier blüht es für Hummeln, Bienen & Co", heißt es auf einem Schild in der Nähe der Pforte - und das stimmt. Fast ganzjährig sind die Hummeln aktiv (die Winter sind oft sehr mild), viele, viele Bienen unterschiedlichster Art freuen sich über die Blumenmengen und in diesem Jahr waren auch viele Schmetterlinge da, sogar das Landkärtchen, das wir noch nie gesehen hatten.

Die Nutzgärten

Da unser Garten nach Süden ausgerichtet ist (das Haus steht auf der Nordseite), haben wir durch die Anpflanzung der Hecken neben einem hervorragenden Windschutz auch eine Sonnenfalle geschaffen. Durch dieses Zusammenspiel ergibt sich ein geschützter Gartenraum mit einem guten Kleinklima. Hier entstanden neben unserem klassischen Bauerngarten in Hausnähe weitere Nutzgärten inmitten der Blumenwiese. In diesen Nutzgärten haben wir die Wege (außer dem Hauptweg) mit Weißklee eingesät. Sobald dieser hoch genug gewachsen ist, benutzen wir ihn als Mulch für die Beete. Neben Gemüse, Salat und Kartoffeln haben wir entlang eines Wiesenweges Beerensträucher gepflanzt, in der Wiese selbst stehen etliche Obstbäume.

 

Und was gibt es sonst noch zu erzählen:

Der Grünspecht hat unser Bienenhotel heimgesucht und schon ganz viel zerstört, bevor wir ein Drahtstück davor gespannt haben. Unsere Kolonie Mehlschwalben wird jedes Jahr größer - wir müssen ihnen aber Kunstnester geben. Material zum Selberbauen gibt es kaum und wenn sie denn mal ein Nest geschafft haben, wird es ihnen sofort von Spatzen abgenommen. In Kunstnester kommen die aber nicht hinein. Viele Meisenkästen gibt es, mit 26 mm Löchern, aber die meisten sind doch von Spatzen besetzt. Einige Einfluglöcher hat der Specht auch schon vergrößert. Laubfrösche, Erdkröten, Eidechsen, Mäuse, Mauswiesel, Marder, Igel, Hasen, leider auch viele Fasane aber zum Glück keine Rehe mehr, seit der Zaun rundherum überall Recyclingpfosten hat.
Wir könnten noch auf vielen Seiten weiter erzählen - denn: wem das Herz voll ist, dem läuft der Mund über: Aber machen wir hier mal einen Punkt. Wer uns besuchen möchte, ist jederzeit herzlich willkommen. Aber da das Hauptwohngebiet eines Mitglieds im Naturgarten e.V. doch eher südlich des Mains liegt, werden sich leider nicht viele nach Norddeutschland verirren. Unsere Website: www.ingrid-und-georg-hoeffer.de

Zum Schluss:

Die Anlage eines Naturgartens und das Leben darin sind mit nichts sonst zu vergleichen. Die positiven Energien, die wir schon aus diesem Garten gesaugt haben, sind so wertvoll, dass wir nur jedem immer wieder empfehlen können: Macht das auch, es gibt nichts Schöneres.

Adresse:

Mehr Informationen über unseren Garten von der Planung über die Realisierung bis hin zur Teilnahme an einem Naturgartenwettbewerb 2008, sowie Pflanzenlisten von Sträuchern, Rosen und Stauden gibt es unter

www.ingrid-und-georg-hoeffer.de
E-mail:georg.hoeffer@web.de