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Naturerlebnisgarten Köln-Kalk von Henning Hinsenkamp in D - 51103 Köln

Naturerlebnis auf winzigen 130m²!

Teil I: Wie ein Gartenlaie zu einem Naturgarten kommt.

Naturgarten: das möchte ich! Im Frühjahr 2007 hatte ich plötzlich einen Garten. Der Garten war sieben Meter breit, etwa 20 Meter lang und von Ziegelmauern, teils verputzt, teils verwittert, eingefriedet. Den Garten hatte seit Jahren niemand mehr gepflegt. Eine Fläche von etwa 130 qm sah mich, den ehemaligen Rasen und das zu sanierende Gebäude dahinter fragend an. Efeu, Clematis, Wilder Wein und Flieder hatten sich zügellos ausgebreitet und überwucherten hemmungslos alles, was frühere Besitzer einmal angepflanzt und dann dem Schicksal überlassen hatten. Nein, der Garten gefiel mir nicht. Drei undefinierbare Rosenreste, 2,50 m hoch, hielten dem Efeu mit letzter Kraft stand. Eine irgendwann vom Fensterbrett in den Garten verfrachtete Yucca-Palme war 3 m hoch und 1,80 m breit geworden und fühlte sich offenbar wohl an ihrem exotischen Standort. Eine Hortensie hatte durchgehalten. Eine Korsische Nießwurz trotzte ebenfalls der langen Missachtung und blühte, was das Zeug hielt. Verschiedene Rhododendren machten allerdings langsam schlapp, ebenso Reste von Spiersträuchern, die im Unterholz hinter Silexveteranen vergeblich nach Licht ächzten. Eine Art Weide und ein Haselnussstrauch erreichten bald die 5-Meter-Marke und beschatteten alte Komposthaufen, die mit Kronkorken, Flachmännern und Glasscherben garniert waren. Irgendwas musste passieren mit dem Garten. Das Sortiment aus dem Baumarkt (vorübergehend meine zweiter Wohnsitz) war nicht wirklich meins. Aber auch das Pflanzenangebot im Gartencenter sah irgendwie unnatürlich aus: was sollten diese hochgezüchteten Riesenblüten und asiatischen Gewächse in meinem zukünftigen Garten? Sieht doch alles aus wie aus Plastik und hat mit Natur, wie ich sie mir vorstelle, nicht viel zu tun. Nein. Der Garten war in Köln, da sollte gefälligst wachsen, was die Heimat zu bieten hat (nein, ich bin nicht bei den REPs, ihgitt). Das Grün sollte möglichst natürlich sein.

Ich will einen NATURGARTEN!
Nach langem Hin und Her hatte ich mir nämlich überlegt, dass es das Sinnvollste wäre, ein Stück natürliche Natur in den Garten zu holen. Davon gibt es in der freien Wildbahn ja immer weniger. Und besonders schön fand ich einen Naturgarten noch dazu. Gegen gärtnerische Gentechnik! Nicht nur BIO essen, auch BIO erleben! Als Raucher braucht man eine gesunde Umwelt. Also, ein Naturgarten sollte entstehen, ein richtiger, mit heimischen Wildpflanzen, mit Blumenwiese, mit Natursteinen, Trockenmauern und so. Vielleicht käme dann auch mal eine Biene vorbei, wäre ja schön. Nach Konsultationen verschiedener Gartenbetriebe in Köln ("Sie haben ja einen Naturgarten, man sollte das Efeu etwas zurückschneiden.") kamen Zweifel in mir auf. Mittlerweile hatte ich gelesen, dass ein Naturgarten aus heimischer Vegetation besteht und entsprechende Böden benötigt: magere, ungedüngte, um Wildpflanzen eine Chance gegen sogenanntes Unkraut zu geben, das überall wachsen kann.
Ich versuchte weiter, jemanden zu finden, der meinen Wunsch mit Fachwissen unterstützen konnte. Wenn schon ein Naturgarten, dann auch richtig! Wieder ging die Suche im Internet nach "Naturgarten" los. Schließlich wurde ich doch noch fündig. Über verschiedene Seiten und Links kam ich schrittweise mühsam zum Ziel. Ich bestellte mir schließlich zwei Bücher von Reinhard Witt. Das wars! So einen Garten wollte ich haben! Dann besuchte ich den naturnahen Schaugarten der Gemeinde Wachtberg bei Bonn und es stand fest: mein Garten wird so ähnlich. Meinem Ziel komme ich seitdem immer näher.

Zwischendurch verkaufte ich die Yucca-Palme bei Ebay, ab 1 Euro zum Selbstausgraben und -abholen. Man kann ja so schlecht was wegwerfen. Der Gewinner war ein Typ aus irgendwo bei Berlin, der mehrere hundert Kilometer anreiste, einen halben Tag lang schwitzend und fluchend das Ding ausgrub und mir dafür 180 € bezahlte. Versandkosten entfielen. Ich begann zu staunen. Die Rhododendren brachten nur knapp 20 € pro Stück. Enttäuscht gab ich meine Weltidee wieder auf. Aus dem Restgarten wurde Totholz.

Teil II: Der Naturgarten im Bau (Neuanlage)

Im Rahmen der im Jahr 2007 anstehenden Gebäudesanierung wurde die Erdgeschosswohnung mit dem früheren Keller verbunden und zu einer Maisonettewohnung umgebaut. Dazu mussten der Balkon und das darunterliegende, bis ans Haus reichende Erdreich weg. Der neue Souterrain-Bereich brauchte Licht. 50 Kubikmeter Erde und die alte Betontreppe sollten also raus. Danach würde eine Böschung entstehen, die vom Haus in den Garten übergeht. Die Frage war: was für eine Böschung? Schließlich stand fest: Trockenmauern sollten den Höhenunterschied in ansprechender Form in drei Stufen überbrücken, dazwischen sollte eine Natursteintreppe den Weg in den Garten erleichtern. Das Auge wohnt ja mit.
Wegedecken? Natürlich wassergebunden, aus schönem Eifel-Kalkschotter! Ideal auch geeignet, schattige Gärten etwas aufzuhellen. Die Transportkosten waren übrigens höher als der Materialwert. Nun hatte leider der Garten keinen Zugang zur Straße, sondern lag in einem von Häuserblocks gebildeten Innenhof. Das gesamte Erdreich musste mit schwarzen Baueimern durchs Haus nach vorn auf die Straße in Schuttcontainer geschafft werden. Zwischendurch kam immer wieder die Hilti zum Einsatz, um alte Fundamente und Kriegstrümmer aus dem Weg zu räumen ("Trümmergrundstück" - Bomben wurden aber nicht mehr gefunden). Nach einer gewissen Zeit waren die Erde und die alte Treppe dann weg. Der Weg war frei für die Naturmaterialien: Steine, Stufen, Platten, Schotter und Splitt wurden auf umgekehrtem Weg in den Garten geschafft. Wie hieß noch gleich der Typ aus Griechenland? Ach ja, Sisyphus. Jedenfalls: die Mauern stehen. Die 12 Treppenstufen (Grauwacke massiv, bossiert) hatten ein Gewicht von 140 KG. Jeweils.

Teil III Naturgarten: Du willst es doch auch!

Mitten in der Großstadt befindet sich nun auf kleinster Fläche, umzingelt von Rollrasen, Kirschlorbeer- und Thujahecken, Nordmanntannen und Forsythien, eine kleine Oase der Vegetation unseres Landes: ein biologisch geplanter Naturerlebnisgarten. Fast schon wieder exotisch, so ein natürlicher Naturgarten. Und dabei so pflegeleicht. Dem eingesäten Blumenschotterrasen gönnt man zweimal jährlich eine Mahd. Den Rest regelt die Natur. Wenn man ihr die Gelegenheit dazu gibt. Vorbei mit dem wöchentlichen Rasenmähen: einfach in Ruhe wachsen lassen, ab und zu Unerwünschtes jäten und - g(en)ießen! Durch entsprechende Bepflanzung lässt sich der Pflegeaufwand des gesamten Gartens auf ein Minimum reduzieren. Trotzdem hat man das ganze Jahr über ein wunderbares Privatbiotop. Perfekt für Menschen, die Schönes mit Praktischem verbinden und gleichzeitig naturnah wohnen möchten.

Toll: Ein Naturerlebnisgarten!
Der Garten ist als Naturerlebnisgarten im Frühjahr 2008 neu angelegt worden. Aufteilung und äußere Gestaltung des Gartens mit Trockenmauern, verschiedenen Magerstandorten, einer Recyclingmauer, Waldbeeten, wechselnden Ebenen (Hochbeete) etc. erfolgte in Eigenleistung. Die Planung der Bepflanzung erfolgte professionell nach biologischen Gesichtspunkten (naturnahe Pflanzengesellschaften und -auswahl, Standorte) durch das Planungsbüro Calluna, Bonn. Ein großer Dank dafür gebührt Ulrike Aufderheide. Die Pflanzen stammen zum größten Teil aus deutschen Naturgärtnereien, zumeist Bioland-Betrieben.

Auf der kleinen Fläche gibt es nun viele verschiedene Standorte mit jeweils angepasster Vegetation. Im tieftsten Dunkel wächst Sauerklee. Insgesamt leben im Garten über 100 Wildpflanzenarten heimischen Ursprungs. Besonders reizvoll: viele der Pflanzen dieses Gartens sind giftig - passend zur wunderbar natürlich-ungeordneten, teils rauen Atmosphäre. Entstanden durch einige mager angelegte Ruderalstellen aus Kalkschotter oder Sand, durch Trockenmauern, regionale Natursteine (Grauwacke aus dem Bergischen, Kalkstein aus der Eifel) und bemooste Totholzhaufen (Bruch aus dem Wald).

Eine nähere Beschreibung der Bepflanzungsplanung mit den im Garten vorkommenden Pflanzengesellschaften findet sich im Anschluss.

Henning Hinsenkamp, Naturgartenfreund