Wie kommt der Laie zum Naturgarten? Ralf Engel aus D - 79736 Rickenbach
Generell
Ich bin im Westerwald aufgewachsen. Wir wohnten in einem Einfamilienhaus mit einem ca. 2000 m2 großen Garten, und da ich mich immer für die Natur interessiert hatte und auch im NABU aktiv war, lag sozusagen das Grüne in der Wiege. Was heißt hier schon Laie? - es gibt ja viele Grünberufe und letztendlich habe ich ja in der Pharmazeutischen Biologie in der Nachbarschaft zum Botanischen Garten in Münster promoviert. Ich denke, es geht mehr in Richtung „Grünkraft - >viriditas<" tanken, wie Anselm Grün dies beschreibt 1). Es muss in uns stecken. Der Grundstein zum Naturgarten wurde durch ein Buchgeschenk (NATUROASE Wildgarten von Reinhard Witt2)) meines Vater 1992 gelegt. Dieses Buch verschwand nach einmaligem Durchblättern erst mal in meinen Bücherschrank (ein weiteres Hobby von mir) und wartete dort auf den „AHA-Effekt".
Der Hauskauf
Beruflich hat es mich dann 1995 in den Süden Deutschlands verschlagen. 1997 kam es dann zum Hauskauf auf dem HOTZENWALD. Leider nur 760m2 - mein Traum war immer mind. 1000 m2. Der Vorbesitzer hatte das parkähnliche Grundstück (ein anhängendes Grundstück war schon verkauft) arbeitsschonend bepflanzt. In erster Reihe Thuja, in zweiter Fichten und andere Nadel- und Laubgehölze - so richtig zugepflanzt! Was gut war, er hatte auch eine Menge Vogelbeeren und andere Wildgehölze gepflanzt, so dass ein guter Grundbestand da war. Dann passierte erst mal ein Jahr gar nichts - man hat ja genug mit drinnen zu tun. 1998 fing ich an, über den Garten nachzudenken und kultivierte Wildpflanzen in Balkontöpfen (ohne Giessen) - hier kam mir die Nähe zum „Hof Berg-Garten3)" zugute. Auf der Suche nach der Garten-Stilart bin ich dann wieder auf das oben erwähnte Buch gestoßen und auf einmal hatte ich den „AHA-Effekt" - hol doch einfach die Natur nach Hause!
Der Garten - der Anfang der Umgestaltung - die ersten Fehler
Zunächst beschäftigte ich mich mit dem Grundgerüst des Gartens - Sträucher und Bäume. Ich fällte nach und nach fast alle serbischen Fichten und baute ein Gerätehäuschen (irgendwo muss man ja die Gartengeräte lassen). Für die Kinder kamen ein Weidentippi, ein großer Sandspielplatz mit Rasensofa, ein Baumstamm zum Klettern und für die Erwachsenen eine Kiesterrasse mit großen Steinen, Trockenbachlauf und ein Astsofa hinzu4). Danach baute ich ein Trockenbeet mit Trockenmauer (hier bekam ich den Mut zu den Steinen), einen Kräutergarten und nebenbei legte ich zwei viel zu kleine Blumenwiesen an. Durch Zufall bekam ich große Findlinge, Farne und einige Wildsträucher geschenkt, diese wurden im Vorgarten eingebaut. Der erste Fehler - ein Trockenbeet unterm Kirschbaum... Trotzdem gefiel mir mein Naturgarten schon sehr gut - es war einfach Leben pur!
Heureka der Traum wird wahr - die Vision
In 2004 konnten wir recht unerwartet das angrenzende Grundstück dazukaufen. Super - jetzt kann es mit der Neugestaltung Richtung Naturgarten losgehen. Aber jeder in der Familie wollte was anderes, bzw. sie konnten sich nicht vorstellen, was ich wollte und umgekehrt. Also was tun, warum nicht den Maestro „Witt" direkt zum Schlichten einladen ? Das haben wir gemacht! Nach einem halben Tag mit Reinhard hatten wir dann einen Grobplan 1:100 über unseren neuen Garten. Dazu entwickelte ich dann meine Vision.
Der nun ca. 1500 m2 große Garten spiegelt nämlich die Landschaft wieder. Er ist nach Süden ausgerichtet, mit Blick auf die Alpen, 70 to Granit symbolisieren den Schwarzwald und in Verlängerung die Alpen. Ein Kalkhügel (Aushub vom Teich mit Kalk abgedeckt) in Nord-Süd Richtung stellt den Dinkelberg (Muschelkalkgebirge) dar, der vom oberen Rheintal bis nach Basel reicht.
Der Naturgarten im Hotzenwald / Gartenbeschreibung
Es handelt sich um einen nach Süden ausgerichteten Hanggarten mit folgenden Elementen. Vor dem Haus: Rosenhecke an Holzpalisaden; Frühjahrsbeet (Norden / Schatten) - mit Seidelbast, Farnen, Alpenclematis und Maiglöckchen; bemooste Findlinge; kleine Vordachbegrünung; entsiegelter Stellplatz; Blumenhecke mit Wildgehölzen; Hinterm Haus: Waldgarten; Trockenbeete; Frühjahrsbeete; Wildbienenhaus mit Hopfen; Totholzhaufen mit Waldgeißblatt; Steinhaufen; große Granitblöcke, warmer Trockensaum; Wege; diverse Sitzplätze; Teich mit Quelle und 4 kleinen Stauteichen; Wildrosenhecke gegen Süden; Sonnenbeet und Sonnen- Halbschattenbeet; Waldgarten; Beerengarten; Kastanienstaketenzaun mit Pflanzsaum nach Süden; Kalkhügel; Kinder: großer Sandspielplatz mit Spielhügel und wilde Waldecke und Gartenkunst.
Schlussfolgerung und Ausblick
Somit kommen als potentielle Kunden (Laien) alle Menschen infrage, die „Grünkraft" in sich haben. Anfangs sollte man sich auf jeden Fall mit Wildgehölzen auskennen und ein Konzept für naturnahes Spielen haben (Kinder sind die Kunden von morgen). Nur über Kompetenz wird man überzeugen können. Danach sollte man mit dem Kunden einen Plan für die Umgestaltung oder Neuanlage entwickeln. Hier ist die Beratung wichtig, was kann der Kunde selber machen und was nicht (oder was will er nicht) Und „last but not least" - ein guter Naturgarten wird nie fertig, er entwickelt sich mit seinem Besitzer. Und zu guter Letzt, jeder Tag schenkt uns ein Erlebnis in unserem Garten, und das gibt uns doch die innere Kraft.
Wie kommt man nun als Laie an alle Materialien?
Steine, Kies, Sand - nächster Steinbruch (wenn möglich)
Wildsträucher - die häufigen e.g. aus NABU Aktionen oder regionalen Baumschulen
Seltene Pflanzen - s. Naturgarten e.V. Adressenliste
Pflanzen - Sonstiges - Geschenkaktionen (Freunde, Nachbarn, bald zu bebauende Grundstücke - also Augen auf!).
Grünkompost - nächstes Erdenwerk
Literatur
1) Anselm Grün et al., klarheit, ordnung, stille; 1. Auflage 2007
2) Reinhard Witt, Naturoase Wildgarten; 1992
3) Hof Berg-Garten, www.hof-berggarten.de
4) Alex Oberholzer et al., Ein Garten für Tiere; 1997
PS.: Alle Bücher von Reinhard Witt sind zu empfehlen
