Hinweis

Bau eines Wildbienenhauses

Kerstin Lüchow (Dipl.-Ing.agr.), D - 74076 Heilbronn

Tipps aus der Gartenpraxis

Vor einigen Jahren entdeckte ich meine Leidenschaft für Naturgärten – und für die Wildbienen in meinem Garten. Wir haben gebaut, gesammelt, gebündelt, gesägt, gebohrt und durch Versuch und Irrtum dazugelernt. Nisthilfen für Wildbienen können nicht nur einzeln, sondern auch in einem Wildbienenhaus angeboten werden.

Wie ein Gästehaus für Wildbienen aussehen könnte und was unbedingt berücksichtigt werden sollte, kann hier Schritt für Schritt nachgelesen werden. Viel Spaß beim Bauen und Beobachten...

  1. Der Bau eines Bienenhauses ist nicht nur Männerarbeit sondern ein Familienprojekt, das Spaß macht. Bevor Sie damit beginnen, ist es jedoch sehr sinnvoll, Aufklärungsarbeit bei den Nachbarn zu leisten und Ängste auszuräumen. Auf das häufigste Frage-Antwort-Spiel sollte man unbedingt vorbereitet sein: Nein, es gibt keinen Honig am Ende der Saison!!!! Wir möchten nur Lebensräume für bedrohte Wildtiere schaffen. Wildbienen stechen nicht, sind äußerst friedliche Tiere und wichtige Bestäubungsinsekten!
    Wer noch im gleichen Jahr Bienen beobachten möchte, sollte sein Haus spätestens bis Mitte März fertig haben. Dann beginnt die Flugzeit der Gehörnten und der Roten Mauerbiene.

  2. Trockenheit ist der Schlüssel zum Erfolg und sollte bei allen Maßnahmen beachtet werden. Bewährt hat sich der Bau eines Hauses, das an drei Seiten geschlossen ist und oben durch ein überstehendes Dach geschützt wird: Zunächst werden vier stabile Holzpfosten (ca. 2m lang oder länger, 10 cm dick) an den Eckpunkten in die Erde gerammt (eine „Katze“ ist dabei sehr hilfreich). Dann können Holzbretter (aus der Sägerei) lamellenartig von unten nach oben an die Eckpfosten genagelt (oder geschraubt) werden. Zum Schluss wird das Dach befestigt. Die Größe ist beliebig, die Statik sollte aber im Auge behalten werden. Eine Tiefe von 50-60 cm ist völlig ausreichend.

    Wichtig: die Aufstellungsrichtung –also die Öffnung- ist Süd / Süd-Ost. Die Bienen lieben die Morgensonne und wärmen sich gern auf, bevor sie ihre Arbeit beginnen. Außerdem ist das Bienenhaus somit vor den meisten Regenschauern geschützt.

  3. Jetzt können vorbereitete Baumscheiben, Pflanzenstängel oder „Lehmkisten“ in das Gästehaus gestapelt werden.Wichtig: Viele verschiedene Materialien mit unterschiedlichen Röhrendurchmessern von 2mm-10mm anbieten, z.B.- hohle oder markhaltige Pflanzenstängel. Falls sie mit einer Schnur gebündelt werden, müssen sie von Zeit zu Zeit nachgezogen werden (Bündel lockern sich mit zunehmender Trockenheit). Am Ende oder in der Mitte sollte sich ein Knoten befinden (Wildbienen fliegen die Stängel auch von hinten an, dort ist die Brut sogar besser vor den Augen der gefiederten Feinde –Spechte, Meisen etc.- geschützt). Unbedingt trockene Stängel verwenden, da bei Feuchtigkeit die Nahrungsvorräte und die Larven verpilzen. Die Stängel könnten über Winter im Haus getrocknet werden.

    Schilfrohrmatten können mit einer scharfen Schere in 30cm breite Bahnen zerschnitten und anschließend aufgerollt werden
    (glatter Schnitt!, die Stängel dürfen nicht ausfransen).

    Getrocknete Baumscheiben oder Holzblöcke (nur Hartholz, z.B. Ahorn, Buche, Eiche, aber auch Kirsche u.a. Obstgehölze, mindestens für ein Jahr im Haus gelagert) sollten ca. 30 cm lang sein (lassen sich besser stapeln, wenn sie länger sind). Der Durchmesser ist egal, ab 20 cm aufwärts ist alles geeignet. Mit Bohrern von 2-10mm können Löcher oder auch (von kreativen Bastlern) Muster in die Baumscheiben gebohrt werden. Sogar Holzwurmlöcher werden bezogen. Es können extra lange Bohrer (leider sehr teuer) oder normale Bohrer verwendet werden. Unbedingt eine kleine Reserve an 2 und 3mm Bohrern zulegen, sie brechen schnell ab. Damit das Holz nicht reißt, muss zwischen den Löchern ein Mindestabstand von 2cm eingehalten werden. Nach dem Bohren werden die Löcher durch Ausklopfen gereinigt, da Kammern mit Sägespänen nicht gern bezogen werden.
    Auch bei den Baumstämmen gilt: Feuchtigkeit ist bienenfeindlich - nicht nur wegen der Pilzgefahr! Bei Nässe stellen sich die Holzfasern in den Röhren auf und verhindern, dass die Bienen rückwärts wieder herauskrabbeln können (Fasern spreizen sich gegen die „Pelzrichtung“). Deshalb werden feuchte Gänge nicht bezogen und das Bienenhaus bleibt leer. Koniferen (Fichte, Kiefer etc.) sollten niemals verwendet werden, da das Harz die Flügel und den Pelz verklebt und die Bienen nicht mehr fliegen könnten.

    Auch leere Schneckenhäuser (von Weinbergschnecken) können in das Bienenhaus gelegt werden. Lochziegel; Lehmkisten & -wände und andere Materialien eignen sich ebenfalls. Einfach ausprobieren und beobachten!

  4. Wer Platz genug hat, kann vor seinem Bienenhaus eine unbewachsene Sandfläche einrichten. Es gibt Bienenarten, die nur dort ihre Bruträume einrichten. Damit sie als Lebensraum erkannt wird, sollte sie mindestens 2m2 groß sein und regelmäßig von Bewuchs befreit werden.

  5. Jetzt heißt es abwarten, mit etwas Geduld kommen bereits ab Mitte März die ersten (Mauer-) Bienen. Jede Bienenart hat nur eine kurze Flugzeit von etwa 4-6 Wochen, in dieser Zeit können maximal 20-40 Brutzellen angelegt werden. Danach erscheinen jedoch andere Arten, häufig sehr kleine und unscheinbare Wildbienen. Im Oktober sind die letzen Bienen unterwegs, die Larven haben sich inzwischen verpuppt und warten auf den nächsten Frühling. Besiedelte Baumstämme und Halme dürfen niemals ins Haus geholt werden, da die Bienen zu früh schlüpfen und verhungern würden.
    Wer die Besiedlung etwas beschleunigen möchte, kann sein Bienenhaus „impfen“ und einen bereits besiedelten Baumstamm (von Freunden oder aus der Umgebung) in sein Gästehaus legen.

  6. Auch Bienenhäuser sind kleine Ökosysteme. Mit der Zeit werden sich räuberische Solitärbienen (Kuckucksbienen, Schmarotzer), Brutparasiten (Fruchtfliegen, Schlupfwesepen, Goldwespen) und andere Feinde (Vögel, Spinnen, Igel, Mäuse) einstellen. Spätestens im Frühjahr sind alle Röhren aufgeklopft. Doch bleiben Sie unbesorgt, auch die Wildbienen haben gelernt und legen in die letzte (äußere) Brutkammer keine Eier hinein. Mit ihrem kurzen Schnabel gelangen die Vögel (Spechte, Meisen, Kleiber, Baumläufer) nicht bis zum Ende der Kammern und es überleben genügend Bienen für die nächste Generation. Auch Spinnen können die Bienenbestände nicht ernsthaft dezimieren: zwar werden einzelne Tiere gefangen (in den Netzen oder durch Spinnen, die einfach nur in den Röhren sitzen und warten, bis eine Besucherin hineinschaut), aber trotzdem vermehren sich die Bienen von Jahr zu Jahr.

Literatur
Hintermeier, Helmut und Margit (2000):
Bienen, Hummeln, Wespen im Garten und in der Landschaft. Obst- und Gartenbauverlag München. ISBN: 3-87596-098-X
Zeitschrift: kraut & rüben, Biologisches Gärtnern und naturgemäßes Leben (2002): Heft 5, S. 34 / 35, Kinderzimmer für Mauerbiene und Lehmwespe

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Unter Beachtung unserer zum TextHinweise ist er zur Veröffentlichung frei gegeben.