Wie man Tiere im Garten dauerhaft ansiedeln kann.
Stefan Leszko, D – Unterpleichfeld
„Bleiben Sie doch noch ein bisschen!“
Die meisten Gärtner wünschen sich, in ihrem Garten möglichst viele Tiere beobachten zu können. Früher war dies auch in weniger naturnahen Gärten kein Problem. Zumal in ländlichen Bereichen waren die Siedlungen wesentlich kleiner und lagen eingebettet in eine relativ vielfältige und intakte Landschaft, die vielen Arten Lebensraum bot. Tiere wanderten somit fast zwangsläufig aus der Umgebung zu. Auch wenn der Garten selbst als Lebensraum wenig geeignet war, kamen sie zumindest als Besucher vorbei.
Dies hat sich leider grundlegend geändert. Heute werden oft in ehemaligen Agrarwüsten auf einen Schlag riesige Neubauflächen aus dem Boden gestampft, in denen auch jetzt noch kahle Schema-F-Gärten dominieren. In einer solchen Umgebung kann auch ein einzelner Naturgarten nicht den ringsum fehlenden Lebensraum ersetzen. Selbst wenn „mobile“ Tiere wie Vögel oder Fluginsekten ihn noch für sich entdecken: Lurche, Reptilien und viele Kleinsäuger bleiben hier auf der Strecke. Ins Zentrum eines solchen Neubaulabyrinths vorzustoßen wird selbst für den motorisierten und straßenkartenbewaffneten menschlichen Besucher oftmals zu einer Odyssee ins Nirgendwo. Jeder, der sich schon einmal nach dem 26. Falschabbiegen und diversen erfolglosen Fragen an ziellos umherirrende Fußgänger („Tut mir leid, ich kenn´ mich hier selbst nicht aus“) an einer stillen Einmündung dem erlösenden Nervenzusammenbruch hingegeben hat, wird es einsehen: Wer in solcher Umgebung einen Garten hat, der wartet auf Igel, Frosch und Zauneidechse meist vergebens.
Besser sind die Chancen in Siedlungsrandlagen. Hier gilt es, mit Argusaugen auf eventuelle tierische Passanten zu achten und ihnen das Bleiben so verlockend wie möglich zum machen. Ausgangspunkt solcher Bemühungen ist dabei, daß ziehende Kleintiere nicht um des Wanderns Lust willen unterwegs sind, sondern stets nach etwas Konkretem suchen. Wenn sie das im Garten finden, dann bleiben sie, wenn nicht, ziehen sie weiter.
Ob sie sich jemals dauerhaft ansiedeln oder ob es bei gelegentlichen Kurzbesuchen bleibt, hängt von unserer Fähigkeit ab, ihre Bedürfnisse zu erkennen. Nehmen wir als Beispiel die Zauneidechse. Diese recht wanderfreudige Art taucht in vielen Siedlungsrandlagen in Gärten auf. Wer ihr dort sonnige Bereiche mit genügend Deckung anbieten kann - etwa eine Blumenwiese oder einen natürlich gestalteten Steingarten - wird immer wieder vereinzelte Tiere beobachten können. Und mehr nicht. Denn es fehlen in der Regel zwei lebensnotwendige Biotopelemente: Ein Platz zur Eiablage und ein Winterversteck. Letzteres gilt ebenso für viele Lurche.
Abgesehen von den stärker ans Wasser gebundenen Grünfröschen überwintern nämlich die meisten Arten an Land, und ihre Wanderfähigkeit beschränkt sich je nach Art auf Entfernungen zwischen etwa 500 m und 2000 m um das Geburtsgewässer. Finden sie in diesem Bereich keine Überwinterungsmöglichkeit vor, können sie auch in einem ansonsten perfekt geeigneten Umfeld nicht überleben.
Hier kann man leicht Abhilfe schaffen: eine gut 1 m tiefe Grube, locker gefüllt mit Feldsteinen, morschen Holzstücken und etwas Laub ( wichtig sind genügend Hohlräume ), abgedeckt mit einem Holzstoß, Lesestein- oder Reisighaufen, gibt wechselwarmen Tieren in der kalten Jahreszeit Zuflucht. Wie man aus Zufallsfunden weiß, versammeln sich in derartigen Winterquartieren mitunter Dutzende von Molchen, Blindschleichen oder Eidechsen. Solche „Schlafgesellschaften“ sind kein Zufall, denn der Bedarf der Tiere an frostsicheren Verstecken ist umso höher, je schwerer die Böden in der betreffenden Gegend sind. Zwar steht in der Literatur bisweilen zu lesen, wechselwarme Tiere würden sich selbst „bis in frostfreie Tiefe eingraben“, doch zeigt dies nur, dass der Verfasser noch nie versucht hat, in schwerem Lehm bis in frostfreie Tiefe zu kommen.
Ähnliche Probleme haben die in Gärten vorkommenden Reptilienarten mit der Eiablage. Eidechsen bevorzugen dazu möglichst vollsonnige Stellen mit unbewachsenem, tiefgründig lockerem Boden. Ein flacher Hügel aus sandigem Humus, strukturiert mit einigen größeren Natursteinen und möglichst störungsfrei gelegen, wird von den Tieren gern angenommen und bietet gleichzeitig auch bestimmten Insektenarten, wie z.B. der Sandwespe die Möglichkeit, ihre Brutröhren anzulegen.
Wichtig ist dabei, die Oberfläche dauerhaft frei von Bewuchs zu halten.
Sie sehen, es können recht unauffällige Details darüber entscheiden, ob der Naturgarten eine nur gelegentlich frequentierte Durchgangsstation bleibt oder sich zum echten Lebens -und Fortpflanzungsraum bestimmter Arten entwickelt.
Selbst bei Vögeln ist dies mitunter zu beobachten, obwohl ihr Aktionsradius ungleich viel größer ist. Jahrelang ärgerte ich mich, dass mir - trotz Hecken und reichlichen Unterholzes - keine Nachtigallen in den Garten kommen wollten, obwohl sie ringsum in der Flur in jedem Gebüsch zu hören waren.
Dann wollte ich in einem Gehölzbereich Waldgeophyten ansiedeln und schüttete zur Bodenvorbereitung im Herbst eine dicke Laubschicht unter den Sträuchern auf, die ich aus dem ganzen Garten zusammengeholt hatte.
Im nächsten Frühjahr sang die erste Nachtigall im Garten!
In einem Merkblatt für Vogelschutz entdeckte ich wenig später zufällig die Notiz, die Nachtigall sei, wie die Amsel, ein „Laubwender“und siedele sich nur da an, wo genug davon vorhanden sei. Seitdem sind die Nachtigallen dem Garten treu geblieben. Jedes Jahr Anfang Mai singt in der Morgendämmerung ein Männchen sein erstes Ankunftslied. Dann sitzt man senkrecht im Bett, denn die Tierchen haben eine überaus kräftige Stimme,
die direkt vor dem Fenster sehr viel wirkungsvoller ist als draußen in der weiten Landschaft.
Gerade solche Zufallstreffer zeigen, dass man die Bedingungen für unsere Gartentiere fast überall noch verbessern kann. Tun auch Sie es, falls bestimmte Arten ihren Garten noch nicht so recht annehmen wollen.
Und wenn sie ihn annehmen, tun Sie es erst recht: dann gibt es umso mehr tierische Zeitgenossen, die sich darüber freuen werden!