Hinweis

Tiere fördern im Naturgarten: Reptilien

Harald Cigler, CH-Affoltern


Da ich zum Thema Naturschutz viel öffentliche Aufklärungsarbeit leiste, baute ich einen Naturschaugarten, der Ideen und Anregungen vermitteln sollte, wie Mann und Frau auch mit weniger Aufwand einen großen Wirkungsgrad in Punkto "Tiere fördern" erzielen kann.

HZ_05_web2.jpgKurz möchte ich meine Gartensituation beschreiben:
Als ich vor vier Jahren einzog, zeigte sich ein recht wüstes Bild des früheren Hausbesitzers. Ein alter, drei Jahre brachgelegener Schreber (Streber-)garten mit einem Haufen Bauschutt und Unrat lag zu meinen Füßen. Aha, trotz der Unordnung und einer vergammelten Wildnis war mir mein Vorteil bewusst, dass heimliche, tierische Untermieter vorhanden sein mussten. Diese in einer Bestandsaufnahme zu erfassen, war die erste Aufgabe. In dem Haus, in das ich als Mieter einzog, fanden immer noch Umbauarbeiten statt, die zäh voranschritten und manchen Ärger und Frust brachten. Auch den machte ich mir für meine Naturgartengestaltung zunutze, indem ich die Energie geballter Ladung Wut (die übrigens immer wieder aufs Neue wieder belebt wurde) als Antrieb für manche Kraftanstrengung kreativer Baueinsätze in meiner Anlage nutzte.

"Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein." - Diesem Zitat folgend, versorgte mich mein netter Nachbar mit Tonnen von Steinen, die er beim Ausbau seines Kellers ans Tageslicht beförderte. Ebenfalls einige Kubik an recht magerem Erdreich, das ich bestens für meine Idee gebrauchen konnte.

Über fast zwei Jahre baute ich nun Stück um Stück meinen Naturgarten, der aus einem "Patchwork" verschiedenster Kleinlebensräume besteht, die nahtlos ineinander fließen. Selbst Nutzgartenteil und "Küchenkräuter-Saum" sind integriert.

Selbstverständlich werden niemals Gifte eingesetzt. Löcherfraß am Kohl von "Vorkoster" Kleiner und Großer Kohlweißling sind Markenzeichen für ein gesundes Produkt. Um Kahlfraß vorzubeugen, ziehe ich in Kisten Kohlartige und Möhren und setze Raupen darauf. – So hat jeder was davon.

HZ_04_web2.jpgHeute ist mein Naturgarten vier Jahre alt und weist eine Wohngemeinschaft etlicher Lebewesen auf, die sich in einem reichhaltigen Angebot verschiedenster Strukturen eingenistet haben. Die Artenvielfalt hat sich im Vergleich zum Anfang mindestens verzehnfacht. Ich erhoffte, alle Arten systematisch erfassen zu können, aber leider fehlt oft die Zeit dafür, und so geht’s etwas langsamer.

Am Beispiel Reptilien möchte ich zeigen, wie man gezielt Tierarten im Naturgarten fördern kann.

Reptilien fördern:
Meist sind es die Blindschleichen, Zaun-, Waldeidechsen und seltener die Mauereidechsen, die Naturgärten besiedeln können.

Ungeachtet vieler Bemühungen fallen sie aber vielfach den Hauskatzen zum Opfer. Mein Naturgarten wies anfangs eine tägliche Katzenpräsenz von 2-4 Individuen auf. Trotz eines reichhaltigen Unterschlupfangebotes sind „meine“ sieben eingesetzten, halbwüchsigen Zauneidechsen den Katzen innerhalb von 11/2 Monaten zum Opfer gefallen. Dabei war die Jagdstrategie eines einäugigen Angoratigers besonders beeindruckend: Er machte sich keine Mühe, den Echsen aktiv nachzujagen, sondern beobachtete sie stundenlang.

HZ_07_web2.jpg Irgendwann muss er herausgefunden haben, wo ihre Schlafplätze liegen. An einem frühen Morgen, als die Echsen zum Sonnenbad ihr Versteck verließen, um sich als wechselwarme Tiere die nötige „Betriebstemperatur“ zu verschaffen, erbeutete der „Tiger“ die noch wenig beweglichen Eidechsen mit Leichtigkeit.

Man muss sich vorstellen, dass sich auf der ganzen Fläche meines Gartens ein dichtes Netzwerk an Unterschlupfstrukturen befindet, was aber nicht ausgereicht hat, um die Reptilien vor den Katzen zu schützen. Da sollte also gut überlegt sein, ob es sich lohnt, Reptilien in einer katzenreichen Umgebung zu fördern. –

Ich habe einen Hund angeschafft (natürlich nicht nur deswegen), der kein Beutegreifer ist, und jetzt haben die Echsen ihre Ruhe.

Untersuchungen in England haben gezeigt, dass viele verschiedene Tierarten unter dem Problem zu leiden haben. Die Katze selbst folgt ja nur ihrem angeborenen Instinkt und man kann ihr keinen Vorwurf machen, aber die Besitzer müssen sich der Tatsache stellen, dass sie mit dem Freilaufen lassen ihres geliebten Haustieres einen ernst zu nehmenden Existenzdruck auf einige einheimische Tierarten ausüben.

Bau von Reptilienstrukturen – Ich bau mir eine „Echsenburg“

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Vorgehen beim Aufbau:
Sonnigen Standort wählen. Auf flachem Boden oder an Böschungen, frei stehend und direkt am Fuß von Hecken anbringen, aber nicht von diesen überwachsen und beschatten lassen!

Den Bodengrund der vorgesehenen Fläche lockern (max. 30 cm tief), Hälfte abführen und die gleiche Menge Sand dazu mischen.

Darauf einige Steine (großer Durchmesser, dienen als Stützsteine) so verteilen, dass verschieden große Zwischenräume entstehen.

Auf die Stützsteine flachere, größere so aufsetzen, dass die Zwischenräume „überdacht“ werden. Auf dieser neuen „Etage“ kleinere Stützsteine verteilen und Zwischenräume stellenweise mit Lauberde und teils mit Sand und Kies locker füllen. Das Angebot verschiedener Füllmaterialien erfüllt verschiedene Funktionen (wie z.B. Ruhe- und Eiablageplätze) und fördert auch die Bedürfnisse anderer „Untermieter“.

HZ_02_web2.jpgDie gleiche Aufbaumethode wiederholen und zwischendurch Belastbarkeit prüfen. Der Steinhaufen sollte so stabil aufgebaut sein, dass beim Darüber laufen das Ganze nicht einstürzen kann. Dies erfordert ein wenig Geschicklichkeit, macht aber viel Spaß und die ganze Familie kann mitmachen. Viel höher als 1m muss die Eidechsenburg nicht werden.

Besonders günstig ist es, wenn man die nicht sonnseitig ausgerichtete Hälfte mit Wandkies aufschüttet, bis eine Schichtdicke von gut 50cm oder mehr erreicht ist. So ist die Echsenburg nicht bloß Sommerlebensraum, sondern bietet auch im Winter frostfreien Unterschlupf.

Mit einem gestalterischen Flair sind Echsenburgen nicht nur Wohnheime für ganze Tiergesellschaften, sondern auch ein Schmuckstück im Garten und Beobachtungsposten.

Dasselbe gilt auch für große Wurzelstöcke, die mit der Schnittstelle voran in eine vorher ausgehobene Bodenmulde so versteckt werden, dass die angeschnittenen Wurzeln wie ein schützendes Geflecht heraus schauen. Die Hohlräume kann man mit groben Steinen und Wandkies locker füllen, stellenweise auch Rindenmulch einfüllen. Die oberste Schicht kann mit feinerem Wandkies so abgedeckt und fest getrampelt werden, dass noch Einschlupfnischen vorhanden bleiben.

Lebensraum Stützmauer
Aus statischen Gründen erfordert der Aufbau einer Stützmauer etwas Geschick, will man nicht plötzlich von ihr verschüttet werden.

Niemals Ritzen und Fugen zubetonieren! Ebenfalls ist auf eine flächendeckende Bepflanzung zu verzichten. In Ausnahmen allerdings kann ein Efeugeflecht oder Wilde Rebe auch Sinn machen, so als Verstecknischen diverser Insektenarten, Kleinvögel und selbst Blindschleichen.
Hübsche Kleinode wie Mauerraute, Zimbelkraut, Streifenfarn u.v.a. Mauerspezialisten sind vorzuziehen.
Sauberer, schadstofffreier Bauschutt kann ebenfalls verwendet werden.
Zu diesem Thema gibt es eine empfehlenswerte Fachbroschüre der Stiftung Umwelt – Einsatz Schweiz (SUS), die einfache Aufbauschemen aufzeigt, wie das nebenstehenden Beispiel der Illustration zeigt.

In einer von mir illustrierten Broschüre vom SVS-BirdLife Schweiz (siehe Titel) sind nützliche Tipps zum Thema enthalten (ca. 3 € zzgl. Versand).

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